Studienlage / Risiken & Sicherheit / Schwangerschaft

Schwangerschaft

8 kuratierte Studien · 5 Schlüsselstudien · mechoulam.de

Hinweis: Dieser Bereich bündelt Studien zu möglichen Risiken und Sicherheitsaspekten von Cannabis. Eine hohe Bewertung bedeutet hier: das Risiko ist gut belegt, nicht, dass Cannabis therapeutisch wirkt. So zeigen wir die Evidenz ausgewogen, in beide Richtungen.

Beobachtungsstudien deuten darauf hin, dass Cannabiskonsum in der Schwangerschaft mit einem erhöhten Risiko für ein niedriges Geburtsgewicht einhergehe, samt Hinweisen auf spätere Entwicklungs- und Verhaltensauffälligkeiten beim Kind.

Bewertungsschema

Der Buchstabe bewertet die Qualität einer Studie, unabhängig vom Typ. Jeder Studientyp kann jede Note bekommen: auch ein Review kann B oder C sein, wenn er klein oder schwach ist, und ein RCT kann S sein. Die Note ist eine Synthese aus Studiendesign, Journal-Autorität und klinischer Verbindlichkeit:

S
Höchste Evidenz, große, methodisch erstklassige Studien oder S3-Leitlinien
A
Starke Evidenz, solide, aussagekräftige Studien mit klarem Ergebnis
B
Mittlere Evidenz, kleinere oder methodisch eingeschränkte Studien
C
Schwache Evidenz, vorläufige, indirekte oder widersprüchliche Befunde
D
Geringste Evidenz, explorative Hinweise, Einzelfälle oder Expertenmeinung

Qualitätsprofil je Studie

Links neben jeder Studie steht ein Profil aus vier Merkmalen, es zeigt die Unterschiede innerhalb einer Buchstaben-Klasse.

Größe
Teilnehmerzahl (RCT) bzw. eingeschlossene Studien (Review).
Verblindung
Doppelblind, einfachblind oder offen.
Effektstärke
Klarer Nutzen, gemischt, kein Nutzen oder Schaden.
Zitate / Jahr
Altersbereinigte Zitationshäufigkeit.

Zentrale Risiko-Studien

5
  1. 01
    S
    Associations Between Prenatal Cannabis Exposure and Childhood Outcomes: Results From the ABCD Study.
    Paul et al. ·2021 ·JAMA Psychiatry
    Lesen
  2. 02
    A
    Prenatal cannabis exposure and the risk for neuropsychiatric anomalies in the offspring: a systematic review and meta-analysis.
    Bassalov et al. ·2024 ·American journal of obstetrics and gynecology
    Lesen
  3. 03
    A
    Prenatal cannabis use and the risk of attention deficit hyperactivity disorder and autism spectrum disorder in offspring: A systematic review and meta-analysis.
    Tadesse et al. ·2024 ·Journal of psychiatric research
    Lesen
  4. 04
    A
    Birth Outcomes of Neonates Exposed to Cannabis in Utero
    Marchand et al. ·2022 ·JAMA Network Open
    Lesen
  5. 05
    B
    Cannabis use during pregnancy and its relationship with fetal developmental outcomes and psychiatric disorders. A systematic review.
    Roncero et al. ·2020 ·Reproductive health
    Lesen

Systematische Reviews und Meta-Analysen

Synthesen der RCT-Evidenz nach Cochrane- und PRISMA-Standards.

4
A
Größe
Verblindung
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Schlüsselstudie
Bassalov et al. ·2024 ·American journal of obstetrics and gynecology
23 mal zitiert

Prenatal cannabis exposure and the risk for neuropsychiatric anomalies in the offspring: a systematic review and meta-analysis.

Design
Meta-Analyse
Stichprobe
k = 17 Studien
n = 534.445 Pat.
Kernaussage

Pränatale Cannabisexposition ist mit leicht erhöhtem ADHD-Risiko (OR 1,13) und erhöhtem Cannabiskonsum bei Nachkommen (OR 1,20) assoziiert, aber nicht mit erhöhtem Risiko für ASD, psychotische Symptome, Angststörungen oder Depression.

Zusammenfassung

Systematische Review und Meta-Analyse über k=17 Beobachtungsstudien (n=534.445) zu pränataler Cannabis-Exposition und neuropsychiatrischen Outcomes bei Nachkommen; für ADHS gepoolte OR=1.13 (95% CI 1.01–1.26) nach Confounder-Adjustierung. Statistisch signifikante, aber schwache Assoziation zwischen Cannabis-Exposition in utero und erhöhtem ADHS-Risiko.

A
Größe
Verblindung
Effektstärke Klarer Nutzen
Zitate / Jahr
Schlüsselstudie
Tadesse et al. ·2024 ·Journal of psychiatric research
26 mal zitiert

Prenatal cannabis use and the risk of attention deficit hyperactivity disorder and autism spectrum disorder in offspring: A systematic review and meta-analysis.

Design
Meta-Analyse
Stichprobe
k = 14 Studien
n = 203.783 Pat.
Kernaussage

Pränatale Cannabisexposition ist mit erhöhtem Risiko für ADHS-Symptome und Autismus-Spektrum-Störung bei Nachkommen assoziiert.

Zusammenfassung

Systematische Review und Meta-Analyse zu pränataler Cannabis-Exposition und Neuroentwicklungsstörungen; k=14 Studien (10 zu ADHD, 4 zu ASD), n=203.783 Teilnehmende. Pränatale Cannabis-Exposition assoziiert mit erhöhtem Risiko für ADHD-Symptome (β=0,39; 95% CI 0,20–0,58, I²=66,85%, p=0,001) und diagnostiziertem ADHD (RR=1,13; 95% CI 1,01–1,26) sowie ASD (RR=1,30; 95% CI 1,03–1,64, I²=45,5%, p=0,14) bei Nachkommen.

A
Größe
Verblindung
Effektstärke Schaden
Zitate / Jahr
Schlüsselstudie
Marchand et al. ·2022 ·JAMA Network Open
176 mal zitiert

Birth Outcomes of Neonates Exposed to Cannabis in Utero

Design
Systematische Review + Meta-Analyse
Stichprobe
k = 16 Studien
n = 59.138 Pat.
Kernaussage

Pränatale Cannabis-Exposition erhöht das Risiko für adverse neonatale Outcomes signifikant, darunter niedriges Geburtsgewicht, Frühgeburt und NICU-Aufnahme.

Zusammenfassung

SR+MA über k=16 Studien (n=59.138) zu neonatalen Outcomes bei Cannabiskonsum in der Schwangerschaft vs. keine Exposition: signifikant erhöhtes Risiko für Geburtsgewicht <2.500 g (RR=2,06; 95%-KI 1,25–3,42; p=0,005), Small for Gestational Age (RR=1,61; 95%-KI 1,44–1,79; p<0,001), Frühgeburt <37 SSW (RR=1,28; 95%-KI 1,16–1,42; p<0,001) und NICU-Aufnahme (RR=1,38; 95%-KI 1,18–1,62; p<0,001); mittleres Geburtsgewicht um -112,3 g reduziert (95%-KI -167,19 bis -57,41; p<0,001).

B
Größe
Verblindung
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Schlüsselstudie
Roncero et al. ·2020 ·Reproductive health
111 mal zitiert

Cannabis use during pregnancy and its relationship with fetal developmental outcomes and psychiatric disorders. A systematic review.

Design
Systematic Review
Stichprobe
Systematische Review
Kernaussage

Pränatale Cannabisexposition kann mit affektiven Symptomen und ADHS assoziiert sein, ist aber noch nicht umfassend erforscht.

Zusammenfassung

Systematische Review zu pränataler Cannabis-Exposition. Pränatale Cannabis-Exposition möglicherweise assoziiert mit affektiven Symptomen und ADHS beim Nachwuchs. Eingeschlossene Studienzahl nicht im Abstract spezifiziert; keine numerischen Effektgrößen berichtet.

Real-World-Evidenz und Beobachtungsstudien

Daten aus klinischer Versorgungspraxis, Registern und Pflichterhebungen.

4
S
Größe
Verblindung
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Schlüsselstudie
Paul et al. ·2021 ·JAMA Psychiatry
330 mal zitiert

Associations Between Prenatal Cannabis Exposure and Childhood Outcomes: Results From the ABCD Study.

Design
Querschnittsstudie (Längsschnitt-Kohorte ABCD, Baseline)
Stichprobe
n = 11.489 Pat.
Kernaussage

Pränatale Cannabis-Exposition nach Kenntnis der Schwangerschaft ist nach Kovariaten-Adjustierung mit erhöhter kindlicher Psychopathologie assoziiert; Exposition vor Kenntnisnahme zeigt nach Adjustierung keine eigenständigen Effekte.

Zusammenfassung

ABCD-Studie (n=11.489 Kinder 9–11 Jahre, 22 US-Standorte); pränatale Cannabis-Exposition nach Wissen um Schwangerschaft assoziiert mit signifikant erhöhter kindlicher Psychopathologie (PLEs, externalisierendes/internalisierendes/Aufmerksamkeits-/Sozialverhalten), Schlafproblemen, erhöhtem BMI, niedrigerer Kognition und reduziertem Hirnvolumen (alle FDR-korrigiert p<0,04; alle |β|>0,02). Exposition ausschließlich vor Wissen um Schwangerschaft nach Covariaten-Kontrolle: kein signifikanter Effekt (FDR-korrigiert p>0,70).

A
Größe
Verblindung
Effektstärke Kein Nutzen
Zitate / Jahr
DiGuiseppi et al. ·2022 ·Journal of Autism and Developmental Disorders
13 mal zitiert

Peri-Pregnancy Cannabis Use and Autism Spectrum Disorder in the Offspring: Findings from the Study to Explore Early Development.

Design
Fall-Kontroll-Studie (prospektiv, bevölkerungsbasiert)
Stichprobe
n = 4.254 Pat.
Kernaussage

Perikonzeptioneller mütterlicher Cannabiskonsum war nicht signifikant mit einem erhöhten ASD-Risiko beim Kind assoziiert.

Zusammenfassung

Perikonzeptioneller Cannabiskonsum (3 Monate präkonzeptionell bis Entbindung) bei n=4.254 Kindern (ASD n=1.428, DD n=1.198, POP-Kontrollen n=1.628): berichtete Nutzungsraten 5,2 % (ASD), 3,2 % (DD), 4,4 % (POP). Adjustierte Odds für perikonzeptionellen Cannabiskonsum zwischen ASD-Fällen und DD- bzw. POP-Kontrollen nicht signifikant verschieden (p>0,05) — kein signifikant erhöhtes ASD-Risiko nachweisbar.

A
Größe
Verblindung
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Day et al. ·2015 ·Psychological Medicine
55 mal zitiert

Prenatal Cannabis exposure, age of Cannabis initiation, and the development of psychotic symptoms in young adults.

Design
Prospektive Längsschnittstudie (Kohorte)
Stichprobe
n = 596 Pat.
Kernaussage

Pränatale Cannabisexposition und frühes Einstiegsalter erhöhen das Risiko psychotischer Symptome, wobei der Mediationsweg über EAOM nicht signifikant war.

Zusammenfassung

Prospektive Kohortenstudie (n=596): pränatale Cannabisexposition (PME) — erhoben ab dem 4. Schwangerschaftsmonat — sagte signifikant erhöhte psychotische Symptomraten der Nachkommen im Alter 22 vorher (Gesamteffekt p<0,05). Direkteffekt PME marginal signifikant (p=0,06) nach Adjustierung für EAOM und andere pränatale Substanzexpositionen.

B
Größe
Verblindung
Effektstärke Klarer Nutzen
Zitate / Jahr
Gray et al. ·2005 ·Neurotoxicology and Teratology
173 mal zitiert

Prenatal Cannabis exposure: effect on child depressive symptoms at ten years of age.

Design
Longitudinale Kohortenstudie
Stichprobe
n = 633 Pat.
Kernaussage

Pränatale Cannabisexposition im 1. und 3. Trimenon erhöht signifikant das Niveau depressiver Symptome bei 10-jährigen Kindern.

Zusammenfassung

Longitudinale Kohortenstudie (n=633 Mutter-Kind-Paare); pränatale Cannabis-Exposition (PME) in Trimester 1 und 3 war signifikant mit erhöhten depressiven Symptomen bei Kindern im Alter von 10 Jahren assoziiert (CDI-Gesamtscore, p<0.05 nach Kontrolle für Kovariaten inkl. Bildung, Tabak und IQ). Trimester-2-Exposition zeigte keinen signifikanten Effekt.