Studienlage / Gastroenterologie / Reizdarm

Reizdarm

9 kuratierte Studien · 3 Schlüsselstudien · mechoulam.de

Die Evidenz für Cannabinoide beim Reizdarmsyndrom ist noch begrenzt. Einzelne Studien zu cannabinoiden Wirkstoffen zeigten bislang keine überzeugenden Ergebnisse, das Feld sei insgesamt wenig untersucht.

Bewertungsschema

Der Buchstabe bewertet die Qualität einer Studie, unabhängig vom Typ. Jeder Studientyp kann jede Note bekommen: auch ein Review kann B oder C sein, wenn er klein oder schwach ist, und ein RCT kann S sein. Die Note ist eine Synthese aus Studiendesign, Journal-Autorität und klinischer Verbindlichkeit:

S
Höchste Evidenz, große, methodisch erstklassige Studien oder S3-Leitlinien
A
Starke Evidenz, solide, aussagekräftige Studien mit klarem Ergebnis
B
Mittlere Evidenz, kleinere oder methodisch eingeschränkte Studien
C
Schwache Evidenz, vorläufige, indirekte oder widersprüchliche Befunde
D
Geringste Evidenz, explorative Hinweise, Einzelfälle oder Expertenmeinung

Qualitätsprofil je Studie

Links neben jeder Studie steht ein Profil aus vier Merkmalen, es zeigt die Unterschiede innerhalb einer Buchstaben-Klasse.

Größe
Teilnehmerzahl (RCT) bzw. eingeschlossene Studien (Review).
Verblindung
Doppelblind, einfachblind oder offen.
Effektstärke
Klarer Nutzen, gemischt, kein Nutzen oder Schaden.
Zitate / Jahr
Altersbereinigte Zitationshäufigkeit.

Schlüsselstudien

3
  1. 01
    A
    Medical cannabinoids: a pharmacology-based systematic review and meta-analysis for all relevant medical indications
    Bilbao et al. ·2022 ·BMC Medicine
    Lesen
  2. 02
    A
    Efficacy and safety of olorinab, a full agonist of the cannabinoid receptor 2, for the treatment of abdominal pain in patients with irritable bowel syndrome: Results from a phase 2b randomized placebo-controlled trial (CAPTIVATE).
    Chang et al. ·2023 ·Neurogastroenterology and motility
    Lesen
  3. 03
    A
    Phytotherapeutic recommendations in medical guidelines for the treatment of gastroenterological diseases - a systematic review
    Utz et al. ·2024 ·Zeitschrift fur Gastroenterologie
    Lesen

Systematische Reviews und Meta-Analysen

Synthesen der RCT-Evidenz nach Cochrane- und PRISMA-Standards.

4
A
Größe
Verblindung
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Schlüsselstudie
Bilbao et al. ·2022 ·BMC Medicine
163 mal zitiert

Medical cannabinoids: a pharmacology-based systematic review and meta-analysis for all relevant medical indications

Design
Systematische Review + Meta-Analyse
Stichprobe
k = 152 Studien
n = 12.123 Pat.
Kernaussage

Medizinische Cannabinoide zeigen variable therapeutische Effekte je nach Substanz und Indikation: CBD wirksam bei Epilepsie (hohe Evidenz) und Parkinsonismus (moderate Evidenz); Dronabinol und Nabiximols wirksam bei chronischen Schmerzen, Spastik und anderen Indikationen (moderate Evidenz); viele andere Effekte mit niedriger oder sehr niedriger Evidenz.

Zusammenfassung

Umfassende pharmakologie-basierte SR über k=152 RCTs (n=12.123) zu medizinischen Cannabinoiden; für Reizdarm (irritable bowel syndrome) wird die Evidenz als 'insufficient' (unzureichend) bewertet — keine signifikanten therapeutischen Effekte nachgewiesen.

A
Größe
Verblindung
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Schlüsselstudie
Utz et al. ·2024 ·Zeitschrift fur Gastroenterologie
5 mal zitiert

Phytotherapeutic recommendations in medical guidelines for the treatment of gastroenterological diseases - a systematic review

Design
Systematic Review
Stichprobe
Systematische Review
Kernaussage

Phytotherapeutika zeigen für verschiedene gastroenterologische Erkrankungen unterschiedliche Evidenzgrade: starke Empfehlung für Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom, Empfehlungen für weitere Phytotherapeutika bei Verstopfung und Colitis ulcerosa, aber unzureichende Daten für Morbus Crohn und Bedarf für weitere methodisch hochwertige Studien.

Zusammenfassung

Systematische Übersicht zu phytotherapeutischen Empfehlungen in medizinischen Leitlinien für gastroenterologische Erkrankungen. Für Reizdarmsyndrom (IBS): 'starke Empfehlung' für Pfefferminzöl (insbesondere bei Schmerz und Flatulenz); 'Empfehlung' für STW-5, Tibetisches Padma Lax und warme Kümmelöl-Kompressen zur Symptomlinderung. Cannabis-basierte Medikamente können bei abdominalen Schmerzen und klinisch relevantem Appetitverlust erwogen werden, wenn Standardtherapie unwirksam oder kontraindiziert; sollten nicht bei akuter Entzündung im aktiven Morbus Crohn verwendet werden. Sicherheit und Verträglichkeit der Phytotherapeutika überwiegend als 'sehr gut' bis 'akzeptabel' bewertet.

A
Größe
Verblindung
Effektstärke
Zitate / Jahr
Volz et al. ·2016 ·Schmerz (Berlin, Germany)

Efficacy, tolerability, and safety of cannabinoids in gastroenterology: A systematic review

Design
Systematic Review
Stichprobe
k = 1 Studien
n = 21 Pat.
Zusammenfassung

Systematische Review zu Cannabinoiden in der Gastroenterologie; k=1 RCT bei Morbus Crohn (n=21) identifiziert, KEINE RCTs für Reizdarm gefunden. Für IBS nur qualitative Aussage: Cannabis könnte bei Symptomen wie Schmerz, Übelkeit und Appetitlosigkeit hilfreich sein, aber suffiziente Studien fehlen vollständig.

B
Pandey et al. ·2020 ·Complementary therapies in medicine

Endocannabinoid system in irritable bowel syndrome and cannabis as a therapy.

Design
Systematic Review
Stichprobe
Systematische Review
Zusammenfassung

Narrative Übersicht zum Endocannabinoid-System (ECS) bei Reizdarm und Cannabis als potenzielle Therapie. Betont die Rolle des ECS in der GI-Physiologie und bei funktionellen Störungen wie IBS; konkrete klinische Wirksamkeitsdaten für Cannabis bei IBS werden NICHT berichtet. Schlussfolgerung: weitere Forschung zu ECS-basierten IBS-Therapien erforderlich.

Randomisierte Kontrollierte Studien

Wirksamkeits- und Sicherheitsbelege aus kontrollierten Interventionsstudien.

5
A
Größe
Verblindung Doppelblind
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Schlüsselstudie
Chang et al. ·2023 ·Neurogastroenterology and motility
32 mal zitiert

Efficacy and safety of olorinab, a full agonist of the cannabinoid receptor 2, for the treatment of abdominal pain in patients with irritable bowel syndrome: Results from a phase 2b randomized placebo-controlled trial (CAPTIVATE).

Design
RCT
Stichprobe
n = 273 Pat.
Kernaussage

Primärer Endpunkt nicht erreicht (kein signifikanter Unterschied zu Placebo), aber signifikante Verbesserung bei Subgruppe mit Baseline-AAPS ≥6.5 unter Olorinab 50 mg.

Zusammenfassung

Phase-2b-RCT CAPTIVATE, n=273 IBS-D/IBS-C-Patienten, Olorinab (CB2-Vollagonist) 10/25/50 mg 3× täglich vs. Placebo über 12 Wochen. Primärer Endpunkt (Änderung durchschnittlicher Bauchschmerz-Score bis Woche 12) nicht erreicht. Prä-spezifizierte Subgruppe mit moderaten-schweren Schmerzen (Baseline-Score ≥6,5): Olorinab 50 mg (n=35) signifikant wirksamer als Placebo (n=30), p=0,014. Verträglichkeit vergleichbar mit Placebo, keine schweren unerwünschten Ereignisse.

B
Größe
Verblindung Doppelblind
Effektstärke Klarer Nutzen
Zitate / Jahr
Wong et al. ·2011 ·Gastroenterology
99 mal zitiert

Pharmacogenetic trial of a cannabinoid agonist shows reduced fasting colonic motility in patients with nonconstipated irritable bowel syndrome.

Design
RCT
Stichprobe
n = 75 Pat.
Kernaussage

Dronabinol reduzierte die Motilität des nüchternen proximalen und distalen linken Kolons im Vergleich zu Placebo, besonders bei IBS-Diarrhö oder alternierend IBS; die Kolonkompliance wurde erhöht.

Zusammenfassung

Pharmakogenetische RCT, n=75 IBS-Patienten (35 IBS-C, 35 IBS-D, 5 IBS-A), Dronabinol (2,5 mg/5 mg) vs. Placebo. Dronabinol reduzierte fasting proximalen kolischen Motility Index (MI) gesamt p=0,05 (5 mg: p=0,046) und erhöhte kolonische Compliance (p=0,058). Größte Effekte bei IBS-D/IBS-A: proximaler MI p=0,022, Compliance p=0,03. CNR1 rs806378 (CC vs. CT/TT) beeinflusste fasting proximalen MI (p=0,075).

B
Größe
Verblindung Doppelblind
Effektstärke Kein Nutzen
Zitate / Jahr
Wong et al. ·2012 ·Neurogastroenterology and motility
96 mal zitiert

Randomized pharmacodynamic and pharmacogenetic trial of dronabinol effects on colon transit in irritable bowel syndrome-diarrhea.

Design
RCT
Stichprobe
n = 36 Pat.
Kernaussage

Dronabinol 2,5 oder 5 mg zweimal täglich für 2 Tage zeigte insgesamt keine Wirkung auf den Magen-Darm-Transit bei IBS-D, obwohl eine mögliche genotyp-spezifische Verzögerung des Kolontransits bei CNR1 rs806378 CT/TT-Trägern beobachtet wurde.

Zusammenfassung

RCT, n=36 IBS-D-Patienten, Dronabinol 2,5 mg (n=10) oder 5 mg (n=13) vs. Placebo (n=13) für 2 Tage. Keine signifikanten Gesamt-Behandlungseffekte auf Magen-, Dünndarm- oder Kolontransit nachweisbar. Genotyp-abhängige Tendenz: CNR1 rs806378 CT/TT assoziiert mit moderat verzögertem Kolontransit bei 24 h (p=0,13 für differentielle Behandlungseffekte).

B
Größe
Verblindung Doppelblind
Effektstärke Kein Nutzen
Zitate / Jahr
van Orten-Luiten et al. ·2022 ·Cannabis and cannabinoid research
36 mal zitiert

Effects of Cannabidiol Chewing Gum on Perceived Pain and Well-Being of Irritable Bowel Syndrome Patients: A Placebo-Controlled Crossover Exploratory Intervention Study with Symptom-Driven Dosing.

Design
RCT
Stichprobe
n = 32 Pat.
Kernaussage

Keine statistisch signifikanten Unterschiede in Schmerzscores zwischen CBD und Placebo auf Gruppenebene; hohe intra- und interindividuelle Variabilität.

Zusammenfassung

n=32 weibliche IBS-Patientinnen, randomisiert-doppelblinde Cross-over-RCT mit CBD-Kaugummi (50 mg) vs. Placebo; symptom-getriebene Dosierung (max. 6 Kaugummis/Tag). Primäres Outcome: abdominale Schmerzintensität (VAS 0–10) und Lebensqualität (IBS-36-Fragebogen). Ergebnis: kein statistisch signifikanter Unterschied in Schmerzscores zwischen CBD und Placebo auf Gruppenebene (p nicht signifikant); hohe intra- und inter-individuelle Variabilität; durchschnittliche Kaugummi-Nutzung niedriger als erwartet.

B
Größe
Verblindung Doppelblind
Effektstärke Kein Nutzen
Zitate / Jahr
Klooker et al. ·2011 ·Neurogastroenterology and motility
67 mal zitiert

The cannabinoid receptor agonist delta-9-tetrahydrocannabinol does not affect visceral sensitivity to rectal distension in healthy volunteers and IBS patients.

Design
RCT
Stichprobe
n = 22 Pat.
Kernaussage

Delta-9-THC veränderte die rektale Wahrnehmung bei Dehnung weder bei gesunden Probanden noch bei IBS-Patienten im Vergleich zu Placebo.

Zusammenfassung

n=22 (10 IBS-Patienten + 12 gesunde Probanden), doppelblind-randomisiert-crossover mit Δ9-THC (Dronabinol 5/10 mg) vs. Placebo; Barostat-Messung der rektalen Sensitivität vor und nach Sigma-Stimulation. Δ9-THC veränderte NICHT die Basis-rektale Wahrnehmungsschwellen oder Unbehaglichkeitsschwellen nach Stimulation (keine signifikanten Unterschiede zu Placebo in beiden Gruppen). Zentralnervöse Nebenwirkungen (Benommenheit, Schläfrigkeit) und Herzfrequenzanstieg bei höchster Dosis; kein Effekt auf viszerale Hypersensitivität bei IBS.