Studienlage / Gastroenterologie / Morbus Crohn

Morbus Crohn

16 kuratierte Studien · 3 Schlüsselstudien · mechoulam.de

Kleine kontrollierte Studien zeigen, dass Cannabis die Beschwerden bei Morbus Crohn deutlich lindern und die Lebensqualität verbessern könne, eine Abheilung der Darmentzündung habe sich bislang nicht nachweisen lassen. Als Standardtherapie gilt Cannabis daher noch nicht.

Bewertungsschema

Der Buchstabe bewertet die Qualität einer Studie, unabhängig vom Typ. Jeder Studientyp kann jede Note bekommen: auch ein Review kann B oder C sein, wenn er klein oder schwach ist, und ein RCT kann S sein. Die Note ist eine Synthese aus Studiendesign, Journal-Autorität und klinischer Verbindlichkeit:

S
Höchste Evidenz, große, methodisch erstklassige Studien oder S3-Leitlinien
A
Starke Evidenz, solide, aussagekräftige Studien mit klarem Ergebnis
B
Mittlere Evidenz, kleinere oder methodisch eingeschränkte Studien
C
Schwache Evidenz, vorläufige, indirekte oder widersprüchliche Befunde
D
Geringste Evidenz, explorative Hinweise, Einzelfälle oder Expertenmeinung

Qualitätsprofil je Studie

Links neben jeder Studie steht ein Profil aus vier Merkmalen, es zeigt die Unterschiede innerhalb einer Buchstaben-Klasse.

Größe
Teilnehmerzahl (RCT) bzw. eingeschlossene Studien (Review).
Verblindung
Doppelblind, einfachblind oder offen.
Effektstärke
Klarer Nutzen, gemischt, kein Nutzen oder Schaden.
Zitate / Jahr
Altersbereinigte Zitationshäufigkeit.

Kurz gefasst

Cannabis bei Morbus Crohn wurde in verschiedenen Studien untersucht, wobei die Ergebnisse hinsichtlich der klinischen Krankheitsaktivität und der Lebensqualität variieren. Meta-Analysen zeigen eine signifikante Reduktion der klinischen Krankheitsaktivität sowie teils verbesserte Lebensqualität, während Auswirkungen auf die endoskopische Aktivität oder Entzündungsmarker nicht signifikant nachgewiesen wurden. Untersucht wurden primär CBD-reiche Öle, THC-haltige Zigaretten sowie verschiedene Cannabinoid-Kombinationen. Eine wesentliche Einschränkung stellt die teilweise sehr niedrige Evidenzqualität oder die geringe Teilnehmerzahl in den klinischen Studien dar.

Stand der Evidenz

Umfang und Heterogenität der klinischen Studienlage

Die kuratierten Veröffentlichungen zu Cannabis beim Morbus Crohn reichen in ihrer Qualität von Stufe S bis C. Die Evidenzbasis besteht überwiegend aus Meta-Analysen und systematischen Reviews, die auf einer kleinen Anzahl randomisierter kontrollierter Studien (RCTs) aufbauen. Kang 2025 fasste beispielsweise acht RCTs zusammen, wobei vier dieser Studien spezifisch den Morbus Crohn betrachten. Andere Übersichten wie Kumar 2024 schlossen nur vier RCTs ein, und Desmarais 2020 basierte auf zwei RCTs mit insgesamt 40 Teilnehmern. Die Gesamtfallzahlen der randomisierten Teilnehmer sind gering; so beruht die Meta-Analyse von Doeve 2021 auf nur 146 randomisierten Personen aus zwanzig Studien. Diese kleinen Fallzahlen führen zu einer dünnen Datenlage, die die statistische Power begrenzt und die Belastbarkeit der Schlussfolgerungen einschränkt. Zudem existieren nur wenige direkte Vergleiche zwischen verschiedenen Cannabis-Präparaten innerhalb der randomisierten Studien.

Untersuchte Präparate und Anwendungsformen

Die untersuchten Wirkstoffe und Darreichungsformen variieren erheblich, was einen direkten Vergleich der Effekte erschwert. Im Fokus standen sowohl das Vollspektrum-Cannabis als auch isolierte Cannabinoide wie Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Naftali 2013 verwendete inhalierte Cannabis-Zigaretten mit THC, während die Studie von Naftali 2017 eine orale CBD-10-mg-Dosis überprüfte. In der RCT von Naftali 2021 kam ein CBD-reiches Cannabisöl mit einer CBD/THC-Konzentration von 160/40 mg/ml zur Anwendung. Kafil 2018 erfasste in seinem Cochrane-Review sowohl THC-Zigaretten als auch ein CBD-Öl mit einer THC-Konzentration von 4 Prozent. Die Studiendauer betrug in den meisten klinischen Prüfungen acht Wochen, was auf kurzfristige Effekte hindeutet. Diese Vielfalt an Präparaten erklärt teilweise die uneinheitlichen Ergebnisse, da unterschiedliche Wirkstoffverhältnisse und Applikationswege zu variierenden pharmakokinetischen Profilen führen.

Patientengruppen und Größenordnung der randomisierten Daten

Die Patientenpopulation in den randomisierten Studien war durch aktiven Morbus Crohn gekennzeichnet. Die größten randomisierten Einzelstudien umfassten nur 56 Teilnehmer, wie in der doppelblinden RCT von Naftali 2021, bei der 30 Patienten Cannabis und 26 Patienten Placebo erhielten. Naftali 2013 rekrutierte 21 Patienten mit aktivem Morbus Crohn, und Naftali 2017 untersuchte 19 Patienten. Die Meta-Analyse von Desmarais 2020 kombinierte zwei kleine RCTs mit insgesamt 40 Probanden (21 in der Cannabis-Gruppe, 19 in der Placebo-Gruppe). Diese kleinen Probandenzahlen bedeuten, dass seltene Nebenwirkungen oder Langzeitfolgen kaum erkennbar sind. Auch die Beobachtungsstudie von Storr 2014, die mit 313 Patienten eine deutlich größere Kohorte bildete, liefert keine kausalen Belege, sondern korrelative Daten zur Selbstmedikation. Die Evidenz stützt sich somit auf sehr kleine Probandensammlungen, was die Generalisierbarkeit der Befunde auf die gesamte Patientenpopulation einschränkt.

Dissonanz bei Entzündungsmarkern und Endoskopie

Ein zentrales Merkmal der Datenlage ist die Diskrepanz zwischen subjektiv empfundenen Symptomen und objektiven inflammatorischen Parametern. Kang 2025 berichtete über eine signifikante Reduktion der klinischen Krankheitsaktivität mit einem relativen Risiko von -0.91 (95% CI -1.54, -0.28), wies jedoch keine signifikanten Unterschiede bei endoskopischer Aktivität oder Entzündungsmarkern aus. Kafil 2018 zeigte für THC-Zigaretten eine erhöhte Rate des klinischen Ansprechens (RR 2.27), während die Remissionsrate keine statistische Signifikanz erreichte. In der Studie von Naftali 2021 verbesserte sich der CDAI-Score und der Quality-of-Life-Score signifikant, ohne dass eine Änderung des endoskopischen Scores nachweisbar war. Vaid 2025 fand zwar eine höhere klinische Remissionsrate in der Cannabis-Gruppe (MD -67.98), wies aber keinen Unterschied im C-Reaktiven Protein aus. Diese Muster deuten darauf hin, dass Cannabis wahrscheinlich symptomlindernd wirkt, ohne die zugrunde liegende intestinale Entzündung zu modulieren.

Offene Fragen und Belastbarkeit der Evidenz

Die Evidenzqualität wird in den meisten Übersichten als niedrig bis sehr niedrig eingestuft. Mack 2019 empfiehlt in den Leitlinien der Canadian Association of Gastroenterology ausdrücklich gegen den Einsatz von Cannabis bei pädiatrischem Morbus Crohn, was auf mangelnde Nutzen-Nachweise hinweist. Langzeiteffekte und die Sicherheit unter Dauermedikation sind aufgrund der kurzen Studiendauern von meist acht Wochen nicht abschließend geklärt. Storr 2014 identifizierte in einer retrospektiven Erhebung eine Assoziation zwischen Cannabis-Nutzung über mehr als sechs Monate und dem Risiko einer Operation (OR 5.03, 95% CI 1.45–17.46), was auf mögliche negative Verläufe hindeutet. Zudem bleibt unklar, wie sich verschiedene Dosierungen und Wirkstoff-Kombinationen langfristiger auf den Krankheitsverlauf auswirken. Die Heterogenität der Ergebnisse zwischen den einzelnen Reviews, bedingt durch unterschiedliche Suchstrategien und eingeschlossene Studien, verhindert eine einheitliche Sichtweise auf den therapeutischen Wert von Cannabis bei dieser Indikation.

Häufige Fragen

Hilft Cannabis gegen Morbus Crohn?
Studien berichten über eine Reduktion der klinischen Krankheitsaktivität und eine Verbesserung der Lebensqualität unter Cannabis. Eine signifikante Veränderung der endoskopischen Befunde oder der Entzündungswerte wie CRP wurde jedoch nicht gemessen.
Wie wirkt Cannabis bei Morbus Crohn auf die Lebensqualität?
In einigen Studien wurde eine Verbesserung der Lebensqualität unter Cannabis gemessen. Andere Meta-Analysen zeigten jedoch keine signifikanten Unterschiede zur Placebogruppe bei der Lebensqualität.
Welche Risiken bestehen durch Cannabis bei Morbus Crohn?
Eine retrospektive Beobachtungsstudie zeigte, dass eine Cannabis-Nutzung von über 6 Monaten ein Prädiktor für eine Operation bei Morbus Crohn war. Die klinische Evidenz hierfür ist jedoch auf eine Beobachtungsstudie beschränkt.

Schlüsselstudien

3
  1. 01
    S
    Canadian Association of Gastroenterology Clinical Practice Guideline for the Medical Management of Pediatric Luminal Crohn's Disease.
    Mack et al. ·2019 ·Gastroenterology
    Lesen
  2. 02
    A
    Oral CBD-rich Cannabis Induces Clinical but Not Endoscopic Response in Patients with Crohn’s Disease, a Randomised Controlled Trial
    Naftali et al. ·2021 ·Journal of Crohn's and Colitis
    Lesen
  3. 03
    A
    The therapeutic effects of Cannabis and cannabinoids: An update from the National Academies of Sciences, Engineering and Medicine report
    Abrams et al. ·2018 ·European Journal of Internal Medicine
    Lesen

Leitlinien und Konsensus-Empfehlungen

Empfehlungen aus Fachgesellschaften und Expertengremien, direkt verordnungsrelevant.

1
A
Größe
Verblindung
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Schlüsselstudie
Abrams et al. ·2018 ·European Journal of Internal Medicine
294 mal zitiert

The therapeutic effects of Cannabis and cannabinoids: An update from the National Academies of Sciences, Engineering and Medicine report

Design
Narrative Review
Stichprobe
Narrative Review
Kernaussage

Starke Evidenz für Schmerz, Übelkeit und MS-Spastik, schwache bis fehlende Evidenz für die meisten übrigen therapeutischen Indikationen.

Zusammenfassung

Update des National Academies of Sciences-Berichts zu therapeutischen Cannabis-Effekten (Abrams 2018); konsolidiert Evidenz für chronischen Schmerz, MS-Spastik, Chemotherapie-induzierte Übelkeit; für Morbus Crohn wird limitierte Evidenz für symptomatische Linderung bei fehlender antiinflammatorischer Wirkung zusammengefasst.

Systematische Reviews und Meta-Analysen

Synthesen der RCT-Evidenz nach Cochrane- und PRISMA-Standards.

9
S
Größe
Verblindung
Effektstärke
Zitate / Jahr
Schlüsselstudie
Mack et al. ·2019 ·Gastroenterology
73 mal zitiert

Canadian Association of Gastroenterology Clinical Practice Guideline for the Medical Management of Pediatric Luminal Crohn's Disease.

Design
Systematic Review
Stichprobe
Systematische Review
Kernaussage

Systematische Übersicht von Behandlungsempfehlungen für pädiatrisches Morbus Crohn; keine primäre Effektmessung, sondern Konsensfindung zu medizinischen Therapieoptionen.

Zusammenfassung

Canadian Association of Gastroenterology Clinical Practice Guideline für pädiatrischen Morbus Crohn; 25 Statements nach GRADE-Methodik. Empfiehlt gegen Cannabis in jeder Rolle bei pädiatrischem Morbus Crohn. Systematische Evidenzbewertung durch iterativen Konsensusprozess.

A
Größe
Verblindung
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Langhorst et al. ·2015 ·Journal of Crohn's and Colitis
198 mal zitiert

Systematic Review of Complementary and Alternative Medicine Treatments in Inflammatory Bowel Diseases

Design
Systematic Review
Stichprobe
k = 39 Studien
Kernaussage

Beste Evidenz für Kräutertherapie (Plantago ovata und Curcumin in UC-Erhaltungstherapie, Wormwood in CD), Mind-Body-Therapie und Akupunktur, aber insgesamt niedrige Studienzahl und heterogene methodische Qualität.

Zusammenfassung

Systematische Review zu Komplementär- und Alternativmedizin bei IBD (Morbus Crohn und Colitis ulcerosa); k=39 Studien (26 RCTs + 3 CTs zu Phytotherapeutika, 7 RCTs zu Mind/Body-Interventionen, 2 RCTs zu Akupunktur, 1 RCT zu Trichuris suis). Evaluierte u.a. Cannabis als Phytotherapeutikum. Beste Evidenz für Plantago ovata und Curcumin bei UC-Erhaltungstherapie, Wermut bei CD, Mind/Body-Therapie bei UC, Akupunktur bei UC und CD. Heterogene methodische Qualität (Cochrane Risk of Bias).

A
Größe
Verblindung
Effektstärke Klarer Nutzen
Zitate / Jahr
Couch et al. ·2018 ·Inflammatory Bowel Diseases
66 mal zitiert

The Use of Cannabinoids in Colitis: A Systematic Review and Meta-Analysis

Design
Systematic Review + Meta-Analyse
Stichprobe
k = 53 Studien
Kernaussage

Cannabinoide reduzierten Kolitis-Schweregrad (DAI) und Myeloperoxidase-Aktivität (MPO) in Tiermodellen signifikant im Vergleich zu Kontrolle.

Zusammenfassung

Systematische Review und Meta-Analyse zu Cannabinoiden bei intestinaler Inflammation; k=53 Publikationen (51 präklinische Tiermodelle, 2 klinische Studien). Präklinisch: Cannabinoide reduzierten Disease Activity Index (DAI) vs. Vehikel (SMD -1.36; 95% CI -1.62 bis -1.09; I²=61%); größter Effekt für FAAH-Inhibitor URB597 (SMD -4.43; 95% CI -6.32 bis -2.55). MPO-Reduktion SMD -1.26 (95% CI -1.54 bis -0.97; I²=48.1%). Cannabigerol zeigte größten MPO-Effekt (SMD -6.20; 95% CI -9.90 bis -2.50). Kein signifikanter Unterschied zwischen prophylaktischer und therapeutischer Anwendung.

A
Größe
Verblindung
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Kang et al. ·2025 ·Inflammatory bowel diseases
8 mal zitiert

Meta-analysis of the Therapeutic Impact of Cannabinoids in Inflammatory Bowel Disease.

Design
Meta-Analyse
Stichprobe
k = 8 Studien
Kernaussage

Cannabinoide zeigten Verbesserungen bei Krankheitsaktivität in Morbus Crohn und Lebensqualität in beiden IBD-Formen, aber keine signifikanten Effekte auf UC-Aktivität, endoskopische Befunde oder Entzündungsmarker.

Zusammenfassung

Meta-Analyse über k=8 RCTs zu Cannabinoiden bei IBD (4 Morbus Crohn, 3 Colitis ulcerosa, 1 beide). Morbus Crohn: signifikante Reduktion klinischer Krankheitsaktivität, RR=-0.91, 95% CI (-1.54, -0.28), I²=71.9%. QoL-Verbesserung bei Morbus Crohn und UC kombiniert, RR=1.79, 95% CI (0.92–2.66), I²=82.8%. Keine signifikanten Unterschiede bei endoskopischer Aktivität oder Entzündungsmarkern. Datenbanksuche: PubMed, Embase, CENTRAL, CINAHL.

A
Größe
Verblindung Doppelblind
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Kumar et al. ·2024 ·Journal of basic and clinical physiology and pharmacology
1 mal zitiert

Effect of cannabinoids in mild-to-moderate cases of Crohn's disease as compared to placebo: a systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials.

Design
Meta-Analyse
Stichprobe
k = 4 Studien
Kernaussage

Cannabinoide zeigten einen statistisch signifikanten Vorteil gegenüber Placebo bei der CDAI-Scores, waren aber bei Lebensqualität, vollständiger Remission und Entzündungsmarkern nicht überlegen.

Zusammenfassung

Systematische Review + Meta-Analyse zu Cannabinoiden bei leicht-bis-moderatem Morbus Crohn; k=4 RCTs eingeschlossen. Cannabinoide vs. Placebo: signifikante CDAI-Reduktion (SMD -0.92; 95% CI -1.80, -0.03; p<0.05). Keine signifikanten Unterschiede bei QoL, vollständiger Remission oder CRP-Reduktion nach 8 Wochen. Heterogenität 'niedrig' bis 'substanziell'; Risiko-of-Bias 'niedrig' bis 'some concern'.

A
Größe
Verblindung
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Doeve et al. ·2021 ·Journal of Clinical Gastroenterology
40 mal zitiert

A Systematic Review With Meta-Analysis of the Efficacy of Cannabis and Cannabinoids for Inflammatory Bowel Disease: What Can We Learn From Randomized and Nonrandomized Studies?

Design
Systematische Review + Meta-Analyse
Stichprobe
k = 20 Studien
n = 146 Pat.
Kernaussage

Cannabinoide induzierten keine klinische Remission bei IBD, verbesserten aber Symptome und Lebensqualität signifikant.

Zusammenfassung

SR+MA zu Cannabinoiden bei CED (k=20 Studien: 5 RCTs + 15 nicht-randomisierte); n=146 randomisierte Teilnehmer; klinische Remission nicht erreicht (RR=1,56; 95%-KI 0,99–2,46); jedoch signifikante Verbesserung patientenberichteter Symptome (Bauchschmerz, Wohlbefinden, Übelkeit, Diarrhö, Appetit) und Lebensqualität.

A
Größe
Verblindung Doppelblind
Effektstärke
Zitate / Jahr
Kafil et al. ·2018 ·The Cochrane database of systematic reviews
55 mal zitiert

Cannabis for the treatment of Crohn's disease.

Design
Cochrane Systematic Review
Stichprobe
k = 3 Studien
n = 93 Pat.
Kernaussage

Die Effekte von Cannabis und Cannabinoiden auf Morbus Crohn sind unsicher; die Evidenz ist sehr gering bis gering und es können keine gesicherten Schlussfolgerungen gezogen werden.

Zusammenfassung

Cochrane-Review (k=3 RCTs, n=93) zu Cannabis/Cannabisöl bei aktivem Morbus Crohn. THC-Zigaretten: klinisches Ansprechen 91% vs. 40% (RR 2,27; 95%-KI 1,04–4,97); Remissionsrate 45% vs. 10% (RR 4,55; 95%-KI 0,63–32,56; sehr niedrige Evidenzqualität). CBD-Öl (15%+4% THC): CDAI-Score nach 8 Wochen 118,6 vs. 212,6 (MD −94,00; 95%-KI −148,86 bis −39,14; niedrige Evidenzqualität); Lebensqualität (SF-36) 96,3 vs. 79,9 (MD 16,40; 95%-KI 5,72–27,08). Fazit: Effekte unsicher, keine belastbaren Schlussfolgerungen möglich; größere RCTs erforderlich.

A
Größe
Verblindung Doppelblind
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Vaid et al. ·2025 ·Irish Journal of Medical Science
0 mal zitiert

Cannabis use in Crohn's disease: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials (RCTs).

Design
Systematic Review / Meta-Analysis of RCTs
Stichprobe
Systematische Review + Meta-Analyse
Kernaussage

Cannabis zeigte höhere klinische Remissionsraten nach 8 Wochen, aber schlechtere Lebensqualität im Vergleich zu Placebo; CRP-Senkung nicht signifikant.

Zusammenfassung

Meta-Analyse von RCTs (PRISMA 2020, PROSPERO-registriert): Cannabis zeigte signifikant höhere klinische Remissionsraten bei Morbus-Crohn-Patienten nach 8 Wochen gegenüber Kontrolle (MD = −67,98; 95%-KI: −100,68 bis −35,29; niedrige Heterogenität). Kein signifikanter Unterschied bei CRP (MD = −0,51; 95%-KI: −1,05 bis 0,02). Lebensqualität war in der Placebogruppe signifikant besser (MD = 19,62; 95%-KI: 14,24–25,00). Fazit: Cannabis zeigt therapeutisches Potenzial bei CD, größere standardisierte Studien erforderlich.

B
Größe
Verblindung
Effektstärke Kein Nutzen
Zitate / Jahr
Desmarais et al. ·2020 ·Annals of Gastroenterology
10 mal zitiert

Evidence supporting the benefits of Cannabis for Crohn’s disease and ulcerative colitis is extremely limited: a meta-analysis of the literatureEvidence supporting the benefits of Cannabis for Crohn’s disease and ulcerative colitis is extremely limited: a meta-analysis of the literature

Design
Meta-Analyse (Systematische Review)
Stichprobe
k = 2 Studien
n = 40 Pat.
Kernaussage

Cannabis zeigte gegenüber Placebo/Standardtherapie keinen signifikanten Nutzen bei klinischer Remission oder Response bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa.

Zusammenfassung

Meta-Analyse zu Cannabis bei Morbus Crohn; k=2 RCTs (n=40: 21 Cannabis, 19 Placebo); kein Unterschied bei Remissionsversagen (RR 0.72, 95%CI 0.47-1.12) oder Ansprechen (RR 0.15, 95%CI 0.02-1.05); GRADE-Evidenz niedrig bis sehr niedrig.

Randomisierte Kontrollierte Studien

Wirksamkeits- und Sicherheitsbelege aus kontrollierten Interventionsstudien.

4
A
Größe
Verblindung Doppelblind
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Schlüsselstudie
Naftali et al. ·2021 ·Journal of Crohn's and Colitis
77 mal zitiert

Oral CBD-rich Cannabis Induces Clinical but Not Endoscopic Response in Patients with Crohn’s Disease, a Randomised Controlled Trial

Design
RCT (double-blind, placebo-controlled)
Stichprobe
n = 56 Pat.
Kernaussage

CBD-reiches Cannabis führte zu signifikanter klinischer Besserung (CDAI-Reduktion) und verbesserter Lebensqualität, aber keine signifikanten Verbesserungen bei endoskopischen Scores oder Entzündungsmarkern.

Zusammenfassung

Naftali et al. 2021 — doppelblinde RCT, n=56 Morbus-Crohn-Patienten (30 Cannabis, 26 Placebo); CBD-reiches Cannabisöl (160/40 mg/ml CBD/THC) vs. Placebo über 8 Wochen. CDAI-Reduktion signifikant in Cannabis-Gruppe (Median 282→166) vs. Placebo (264→237), p<0.05. Quality-of-Life-Score verbessert (74→91 Cannabis vs. 74→75 Placebo, p=0.004). KEINE signifikante Änderung bei endoskopischem Score (SES-CD) oder Entzündungsmarkern (CRP, Calprotectin, p=0.75). Klinische Remission ohne endoskopische oder inflammatorische Verbesserung; gut verträglich.

B
Größe
Verblindung Doppelblind
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Naftali et al. ·2013 ·Clinical Gastroenterology and Hepatology
321 mal zitiert

Cannabis Induces a Clinical Response in Patients With Crohn's Disease: A Prospective Placebo-Controlled Study

Design
RCT
Stichprobe
n = 21 Pat.
Kernaussage

Klinische Ansprechrate 90% vs. 40% (p=0,028), aber primärer Endpunkt Remission nicht signifikant erreicht (45% vs. 10%, p=0,43).

Zusammenfassung

n=21 aktiver Morbus Crohn, Cannabis (Zigaretten mit THC) vs. Placebo über 8 Wochen; klinisches Ansprechen (CDAI-Reduktion ≥100) bei 45% (Cannabis) vs. 10% (Placebo, p=0.028), keine endoskopische Remission, symptomatische Besserung ohne entzündungshemmenden Effekt.

B
Größe
Verblindung Doppelblind
Effektstärke Kein Nutzen
Zitate / Jahr
Naftali et al. ·2017 ·Digestive Diseases and Sciences
214 mal zitiert

Low-Dose Cannabidiol Is Safe but Not Effective in the Treatment for Crohn’s Disease, a Randomized Controlled Trial

Design
RCT
Stichprobe
n = 19 Pat.
Kernaussage

CBD zeigte keinen signifikanten Nutzen: CDAI sank in der CBD-Gruppe von 337±108 auf 220±122 und in der Placebo-Gruppe von 308±96 auf 216±121 (p=NS); beide Gruppen verbesserten sich ähnlich.

Zusammenfassung

n=19 aktiver Morbus Crohn, CBD 10 mg 2×täglich vs. Placebo über 8 Wochen; kein signifikanter Unterschied im Crohn's Disease Activity Index (CDAI: -18 vs. -30 Punkte, p=0.6), CBD gut verträglich aber bei dieser Dosis ineffektiv.

C
Größe
Verblindung
Effektstärke Klarer Nutzen
Zitate / Jahr
Lahat et al. ·2012 ·Digestion
122 mal zitiert

Impact of Cannabis Treatment on the Quality of Life, Weight and Clinical Disease Activity in Inflammatory Bowel Disease Patients: A Pilot Prospective Study

Design
Prospektive Pilotstudie (unkontrolliert)
Stichprobe
n = 13 Pat.
Kernaussage

Nach 3 Monaten Cannabis-Behandlung zeigten sich signifikante Verbesserungen in Lebensqualität (allgemeine Gesundheitswahrnehmung, soziale Funktionsfähigkeit, Arbeitsfähigkeit, körperliche Schmerzen, Depression), Gewichtszunahme (4,3 kg) und Reduktion der Krankheitsaktivität (Harvey-Bradshaw-Index von 11,36 auf 5,72).

Zusammenfassung

Prospektive Pilotstudie zu inhaliertem Cannabis bei langjährigen IBD-Patienten, n=13. Nach 3 Monaten: Verbesserung der allgemeinen Gesundheitswahrnehmung (p=0.001), sozialer Funktionsfähigkeit (p=0.0002), Arbeitsfähigkeit (p=0.0005), körperlicher Schmerz (p=0.004) und Depression (p=0.007). Gesundheitsskala-Score stieg von 4.1±1.43 auf 7±1.42 (p=0.0002). Gewichtszunahme 4.3±2 kg (Range 2-8; p=0.0002), BMI-Anstieg 1.4±0.61 (p=0.002). Harvey-Bradshaw-Index reduziert von 11.36±3.17 auf 5.72±2.68 (p=0.001).

Real-World-Evidenz und Beobachtungsstudien

Daten aus klinischer Versorgungspraxis, Registern und Pflichterhebungen.

1
C
Größe
Verblindung
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Storr et al. ·2014 ·Inflammatory Bowel Diseases
203 mal zitiert

Cannabis Use Provides Symptom Relief in Patients with Inflammatory Bowel Disease but Is Associated with Worse Disease Prognosis in Patients with Crohnʼs Disease

Design
Beobachtungsstudie (retrospektive Fragebogen-Erhebung)
Stichprobe
n = 313 Pat.
Kernaussage

Cannabis verbessert subjektive CED-Symptome, ist jedoch bei Morbus Crohn mit höherem Operationsrisiko assoziiert.

Zusammenfassung

Fragebogen-Erhebung bei n=313 IBD-Patienten (University of Calgary 2008–2009); 17.6% nutzten Cannabis spezifisch zur Symptomlinderung. Subjektiv berichtete Verbesserungen: abdominale Schmerzen (83.9%), Krämpfe (76.8%), Gelenkschmerzen (48.2%), Diarrhoe (28.6%). ACHTUNG: Cannabis-Nutzung >6 Monate war starker Prädiktor für Chirurgie bei Morbus Crohn (OR=5.03, 95% CI 1.45–17.46) nach Adjustierung demografischer Faktoren. Kein Prädiktor für Hospitalisierung.

Übersichtsarbeiten

Nicht-systematische Übersichts- und Expertenarbeiten zur Einordnung der Evidenzlage.

1
B
Größe
Verblindung
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Carvalho et al. ·2020 ·International Journal of Molecular Sciences
34 mal zitiert

Cannabis and Canabidinoids on the Inflammatory Bowel Diseases: Going Beyond Misuse

Design
Narrative Review
Stichprobe
Narrative Review
Kernaussage

Cannabis zeigte in Studien Verbesserungen bei UC- und CD-Scores und Lebensqualität, doch die Autoren warnen vor Standardisierungsmängeln und fordern randomisierte kontrollierte Studien, bevor therapeutische Empfehlungen gegeben werden können.

Zusammenfassung

Narrative Übersicht zu Cannabis/Cannabinoiden bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED); diskutiert Endocannabinoid-System, präklinische antiinflammatorische Mechanismen und klinische Pilotstudien bei Morbus Crohn/Colitis ulcerosa.

mechoulam.de · Studienlage Letzte Aktualisierung der Datenbank: — KI-gestützt · medizinisch verifiziert