Studienlage / Onkologie/Palliativ / Kachexie

Kachexie

17 kuratierte Studien · 4 Schlüsselstudien · mechoulam.de

Bei tumorbedingter Kachexie sei ein überzeugender Nutzen für Appetit oder Gewicht in kontrollierten Studien bislang nicht gesichert. Bei HIV-assoziierter Auszehrung deute ältere Evidenz auf eine mögliche Gewichtszunahme unter Dronabinol hin.

Bewertungsschema

Der Buchstabe bewertet die Qualität einer Studie, unabhängig vom Typ. Jeder Studientyp kann jede Note bekommen: auch ein Review kann B oder C sein, wenn er klein oder schwach ist, und ein RCT kann S sein. Die Note ist eine Synthese aus Studiendesign, Journal-Autorität und klinischer Verbindlichkeit:

S
Höchste Evidenz, große, methodisch erstklassige Studien oder S3-Leitlinien
A
Starke Evidenz, solide, aussagekräftige Studien mit klarem Ergebnis
B
Mittlere Evidenz, kleinere oder methodisch eingeschränkte Studien
C
Schwache Evidenz, vorläufige, indirekte oder widersprüchliche Befunde
D
Geringste Evidenz, explorative Hinweise, Einzelfälle oder Expertenmeinung

Qualitätsprofil je Studie

Links neben jeder Studie steht ein Profil aus vier Merkmalen, es zeigt die Unterschiede innerhalb einer Buchstaben-Klasse.

Größe
Teilnehmerzahl (RCT) bzw. eingeschlossene Studien (Review).
Verblindung
Doppelblind, einfachblind oder offen.
Effektstärke
Klarer Nutzen, gemischt, kein Nutzen oder Schaden.
Zitate / Jahr
Altersbereinigte Zitationshäufigkeit.

Kurz gefasst

Cannabis bei Gewichtsverlust wurde vor allem bei Krebspatienten und Menschen mit HIV untersucht, wobei die Auswirkungen auf die Gewichtszunahme und den Appetit gemessen wurden. In systematischen Reviews und Metaanalysen zeigten Cannabinoide bei Krebspatienten keinen signifikanten Effekt auf die Kalorienaufnahme, den Appetit oder die Gewichtszunahme. Bei HIV-assoziiertem Kachexie-Syndrom wurden teilweise Steigerungen der Kalorienaufnahme oder des Körperfetts unter Dronabinol oder inhaliertem Cannabis berichtet, während die Evidenz für eine klinische Wirksamkeit bei Kachexie insgesamt als unzureichend beschrieben wird. Die Datenlage ist durch heterogene Populationen und teilweise geringe methodische Qualität der Einzelstudien eingeschränkt.

Stand der Evidenz

Unzureichende Wirksamkeit in systematischen Übersichtsarbeiten

Die vorliegenden Studien zeichnen ein eindeutiges Bild hinsichtlich der klinischen Wirksamkeit von Cannabis und Cannabinoiden bei der tumorassoziierten Anorexie-Kachexie. Mehrere systematische Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen kommen zu dem Schluss, dass keine belastbare Evidenz für einen Nutzen existiert. Simon 2022 wertete zehn Studien aus und ermittelte in der Meta-Analyse sehr niedrige Evidenzqualität, die jedoch keinen signifikanten Vorteil beim Appetit gegenüber der Kontrolle zeigte (SMD=-0.02; 95% CI: -0.51 bis 0.46). Zugleich deutete diese Untersuchung auf eine schlechtere Lebensqualität unter Cannabinoiden hin (moderate Evidenz, SMD=-0.25). Ähnlich fällt die Bewertung der Evidenz bei Hammond 2021 aus, der fünf randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 934 Teilnehmern zusammenführte. Die gepoolte Analyse ergab für den Appetit eine standardisierte mittlere Differenz von SMD=-1.79 (95% KI: -3.77 bis 0.19), was zugunsten des Kontrollarms ausfällt, ohne jedoch statistische Signifikanz zu erreichen (p=0.08). Für Gewichtszunahme und Lebensqualität wurden keine signifikanten Unterschiede festgestellt. Mücke 2018 bestätigte in einer Analyse von neun RCTs (n=1.561) bei Krebspatienten das Fehlen signifikanter Unterschiede gegenüber Placebo bei der Kalorienaufnahme (SMD: 0.2, 95% CI: [-0.66, 1.06]) und Appetit (SMD: 0.81, 95% CI: [-1.14, 2.75]). Die Evidenzqualität dieser übergeordneten Bewertungen wird in den Quellen mehrfach als hoch eingeordnet, was die Robustheit des Befunds der fehlenden Wirksamkeit unterstreicht.

Heterogenität in Einzelstudien und spezifische Patientenpopulationen

Im Gegensatz zu den aggregierten Ergebnissen liefern einzelne klinische Studien mit kleineren Stichproben teils widersprüchliche oder gemischte Befunde, was auf die Heterogenität der untersuchten Populationen zurückzuführen ist. Jatoi 2002 berichtete in einem großen doppelblinden RCT mit 469 Patienten über eine Überlegenheit von Megestrol-Acetat gegenüber Dronabinol bei der Appetitverbesserung (75% vs. 49%, p=0.0001) und einer Gewichtszunahme von mindestens 10% (11% vs. 3%, p=0.02). Strasser 2006, eine multizentrische Phase-III-Studie mit 243 randomisierten Patienten, fand in der Intent-to-Treat-Analyse keine signifikanten Unterschiede zwischen Cannabis-Extrakt (2,5 mg THC + 1 mg CBD) oder reinem THC und Placebo hinsichtlich Appetit und Lebensqualität. In der HIV-Subpopulation zeigen sich jedoch Abweichungen. Lutge 2013 analysierte sieben RCTs und identifizierte eine einzige auswertbare Studie mit 139 Teilnehmern, in der Dronabinol die Wahrscheinlichkeit einer Gewichtszunahme von mindestens 2 kg gegenüber Placebo erhöhte (RR=2.09; 95%-KI 0.72–6.06), wobei das Konfidenzintervall jedoch den Wert 1 einschließt. Mücke 2018 berichtete ebenfalls für HIV-Patienten über eine Überlegenheit der Cannabinoide bei Gewichtszunahme (SMD: 0.57 [0.22; 0.92], p=0.001), was den Unterschied zu den Krebspatientenpopulationen unterstreicht. Struwe 1993 und Haney 2005 zeigten in kleinen Kohorten von HIV-Patienten Trends oder signifikante Effekte auf Kalorienaufnahme und Körperzusammensetzung, die in den großen aggregierten Analysen jedoch keine signifikante Rolle spielen.

Untersuchte Präparate, Wirkstoffe und Anwendungsformen

Die methodische Vielfalt der in der Studienlage erfassten Interventionen ist beträchtlich und erschwert direkte Vergleiche. Die untersuchten Wirkstoffe umfassen isoliertes Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) in oralen Darreichungsformen wie Dronabinol-Kapseln, Kombinationspräparate aus THC und Cannabidiol (CBD) sowie inhaliertes Cannabis. Haney 2005 verglich oral verabreichtes Dronabinol mit inhaliertem Cannabis unterschiedlicher THC-Konzentrationen bei HIV-positiven Konsumenten. Bedi 2010 setzte ebenfalls Dronabinol in einer Hochdosis-Regime bei HIV-Patienten ein und beobachtete eine Toleranzentwicklung der Kalorienaufnahme. Bar-Sela 2019 nutzte dosierungskontrollierte THC/CBD-Kapseln. Die Dosierungen variierten stark zwischen den Studien, wobei orale Applikation der dominierende Weg war, aber auch inhalative Formen vorkamen. Die fehlende Standardisierung der Anwendungsformen und der spezifischen Wirkstoffkombinationen wird in mehreren Reviews als zentrale Einschränkung genannt, die eine meta-analytische Poolschätzung erschwert. Zudem wurden in einigen Arbeiten nicht nur die reine Kachexie, sondern auch gastrointestinale Symptome wie Übelkeit als sekundäre Endpunkte betrachtet, was die Interpretation der primären Kachexie-Parameter beeinflusst.

Methodische Limitationen und Quellen der Unsicherheit

Die Belastbarkeit der Studienlage wird durch eine Reihe methodischer Einschränkungen geschmälert, die in den primären und sekundären Studien explizit benannt werden. Alderman 2022 identifizierte in einer Übersicht von 36 RCTs eine allgemeine niedrige methodische Qualität der Einzelstudien, insbesondere bei den nur vier Arbeiten mit Fokus auf Anorexie-Kachexie. Johnson 2021 wies auf kleine Stichproben und die fehlende Berücksichtigung von Störgrößen in den sechs analysierten RCTs hin, die über einen Zeitraum von 20 Jahren durchgeführt wurden. Die Attrition stellt ein wiederkehrendes Problem dar: Struwe 1993 verzeichnete in einer kleinen Crossover-Studie eine hohe Abbruchrate, bei der nur fünf von zwölf Teilnehmern die Studie abschlossen. Bar-Sela 2019, eine nicht-randomisierte Pilotstudie, litt unter einer hohen Abbruchrate und hatte keine Kontrollgruppe, was die Kausalität der beobachteten Verbesserungen des Appetitverlustes infrage stellt. Zudem fehlen in vielen Studien Langzeitdaten, was die Dauerhaftigkeit der Effekte über den kurzen Behandlungszeitraum hinaus unklar lässt. Die Evidenzqualität wird in den meta-analytischen Zusammenfassungen konsequent als niedrig bis sehr niedrig eingestuft, was auf die schwache Basis der primären Daten hinweist.

Offene Fragen und klinische Einordnung

Trotz der zahlreichen Publikationen bleibt die Frage der klinischen Relevanz von Cannabis bei der Kachexie unbeantwortet. Die Datenlage suggeriert, dass bei Krebspatienten kein überlegener Effekt gegenüber Placebo oder anderen pharmakologischen Interventionen wie Megestrol-Acetat nachweisbar ist. Wo Vorteile beschrieben werden, beschränken sie sich teils auf spezifische Subgruppen wie HIV-positive Patienten oder beziehen sich auf intermediäre Endpunkte wie die Kalorienaufnahme, die aber nicht zwingend einer klinisch relevanten Gewichtszunahme entsprechen. Die Leitlinie von ESMO (Arends 2021) empfiehlt eine multimodale Behandlung, positioniert Cannabinoide aber nicht als primäre evidenzbasierte Option mit nachgewiesener Überlegenheit. Offene Punkte bleiben die Unterscheidung zwischen rein symptomatischer Linderung und der tatsächlichen Umkehrung des Kachexie-Verlaufs sowie die Notwendigkeit standardisierter Protokolle für zukünftige klinische Prüfungen. Die vorliegenden Studien belegen nicht, ob die beobachteten Effekte auf spezifische Kachexie-Marker oder auf allgemeine Appetitanregung zurückzuführen sind, und es fehlen klare Daten zur Langzeitprognose unter Cannabinoid-Therapie.

Häufige Fragen

Hilft Cannabis bei Gewichtsverlust?
In Studien mit Krebspatienten wurde die Veränderung des Appetits und des Gewichts gemessen, wobei kein signifikanter Nutzen gegenüber Placebo festgestellt wurde. Bei HIV-Patienten wurden in einigen Untersuchungen Steigerungen der Kalorienaufnahme unter Cannabis beobachtet.
Besteht bei Gewichtsverlust durch Krebs ein Nutzen von Cannabis?
Systematische Reviews untersuchten die Wirkung von Cannabinoiden auf das Gewicht und den Appetit bei Krebspatienten. Die Ergebnisse zeigten keine signifikanten Unterschiede bei der Gewichtszunahme oder der Kalorienaufnahme im Vergleich zu Kontrollgruppen.
Kann Cannabis bei Gewichtsverlust durch HIV eingesetzt werden?
Es wurden Studien zu Dronabinol und inhaliertem Cannabis bei HIV-Patienten mit Wasting-Syndrom durchgeführt. Dabei wurden die Kalorienaufnahme und die Veränderung des Körpergewichts sowie des Körperfetts gemessen.

Schlüsselstudien

4
  1. 01
    S
    The medical use of cannabis for reducing morbidity and mortality in patients with HIV/AIDS.
    Lutge et al. ·2013 ·Cochrane Database of Systematic Reviews
    Lesen
  2. 02
    A
    The Effect of Cannabis-Based Medicine in the Treatment of Cachexia: A Systematic Review and Meta-Analysis.
    Hammond et al. ·2021 ·Cannabis and cannabinoid research
    Lesen
  3. 03
    A
    Medical Cannabinoids for Cancer Cachexia: A Systematic Review and Meta-Analysis
    Wang et al. ·2019 ·BioMed Research International
    Lesen
  4. 04
    A
    Cancer cachexia in adult patients: ESMO Clinical Practice Guidelines☆
    Arends et al. ·2021 ·ESMO Open
    Lesen

Leitlinien und Konsensus-Empfehlungen

Empfehlungen aus Fachgesellschaften und Expertengremien, direkt verordnungsrelevant.

1
A
Größe
Verblindung
Effektstärke
Zitate / Jahr
Schlüsselstudie
Arends et al. ·2021 ·ESMO Open
498 mal zitiert

Cancer cachexia in adult patients: ESMO Clinical Practice Guidelines☆

Design
Leitlinie
Stichprobe
Leitlinie
Kernaussage

Die Leitlinie gibt evidenz- und konsensbasierte Empfehlungen zum Management der Krebskachexie, ohne einen singulären Interventionseffekt zu quantifizieren.

Zusammenfassung

ESMO Clinical Practice Guideline für Kachexie bei erwachsenen Krebs-Patienten; multidisziplinäre Expertenkonsensus-Empfehlungen zu Screening, Assessment und multimodaler Kachexie-Behandlung. Offizielle Fachgesellschafts-Leitlinie.

Systematische Reviews und Meta-Analysen

Synthesen der RCT-Evidenz nach Cochrane- und PRISMA-Standards.

7
S
Größe
Verblindung
Effektstärke Kein Nutzen
Zitate / Jahr
Schlüsselstudie
Lutge et al. ·2013 ·Cochrane Database of Systematic Reviews
129 mal zitiert

The medical use of cannabis for reducing morbidity and mortality in patients with HIV/AIDS.

Design
Cochrane Systematische Review
Stichprobe
k = 7 Studien
n = 139 Pat.
Kernaussage

Es besteht keine ausreichende Evidenz für einen klinisch bedeutsamen Nutzen von Cannabis oder Cannabinoiden auf Morbidität und Mortalität bei HIV/AIDS.

Zusammenfassung

Cochrane SR (k=7 RCTs) zu Cannabis/Cannabinoiden bei HIV/AIDS-assoziiertem Kachexie-Syndrom. Einzige auswertbare Gewichtsstudie (n=139): Dronabinol erhöhte die Wahrscheinlichkeit einer Gewichtszunahme ≥2 kg um RR=2.09 (95%-KI 0.72–6.06) gegenüber Placebo; mittlere Gewichtszunahme +0.1 kg vs. −0.4 kg (Placebo). KI schließt 1 ein — Evidenz für Wirksamkeit bei Kachexie aktuell unzureichend.

A
Größe
Verblindung
Effektstärke Kein Nutzen
Zitate / Jahr
Mücke et al. ·2018 ·Journal of Cachexia, Sarcopenia and Muscle
153 mal zitiert

Systematic review and meta-analysis of cannabinoids in palliative medicine

Design
Systematic Review + Meta-Analyse
Stichprobe
k = 9 Studien
n = 1.561 Pat.
Kernaussage

Cannabinoide zeigten bei Krebspatienten keinen signifikanten Vorteil gegenüber Placebo für Kalorienaufnahme, Appetit, Übelkeit/Erbrechen, Schmerz oder Schlafprobleme; bei HIV-Patienten war ein Vorteil für Gewichtszunahme und Appetit nachweisbar, aber insgesamt fand sich keine überzeugenden hochwertigen Evidenz für den Nutzen von Cannabinoiden bei Anorexie oder Kachexie.

Zusammenfassung

Systematische Review und Meta-Analyse zu Cannabinoiden in der Palliativmedizin; k=9 RCTs (n=1.561). Bei Krebspatienten keine signifikanten Unterschiede vs. Placebo für Kalorienaufnahme (SMD: 0.2, 95% CI: [-0.66, 1.06], p=0.65) oder Appetit (SMD: 0.81, 95% CI: [-1.14, 2.75], p=0.42). Bei HIV-Patienten Cannabinoide überlegen für Gewichtszunahme (SMD: 0.57 [0.22; 0.92], p=0.001) und Appetit (SMD: 0.57 [0.11; 1.03], p=0.02). GRADE-Evidenzqualität: niedrig bis sehr niedrig.

A
Größe
Verblindung Doppelblind
Effektstärke Kein Nutzen
Zitate / Jahr
Schlüsselstudie
Hammond et al. ·2021 ·Cannabis and cannabinoid research
43 mal zitiert

The Effect of Cannabis-Based Medicine in the Treatment of Cachexia: A Systematic Review and Meta-Analysis.

Design
Meta-Analyse
Stichprobe
k = 5 Studien
n = 934 Pat.
Kernaussage

Cannabis-basierte Medikamente zeigten keinen signifikanten Vorteil gegenüber Placebo/aktiven Behandlungen bei Appetit, Gewicht oder Lebensqualität in der Cachexia-Behandlung.

Zusammenfassung

Systematische Review + Meta-Analyse zu Cannabis bei Anorexie-Kachexie-Syndrom; k=5 RCTs (n=934). Gepoolter Effekt für Appetit-Änderung SMD=-1.79 (95% CI: -3.77 bis 0.19) zugunsten Kontrolle (p=0.08); keine signifikanten Unterschiede für Gewichtszunahme oder Lebensqualität. Evidenzqualität (GRADE): low.

A
Größe
Verblindung
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Schlüsselstudie
Wang et al. ·2019 ·BioMed Research International
34 mal zitiert

Medical Cannabinoids for Cancer Cachexia: A Systematic Review and Meta-Analysis

Design
Meta-Analyse
Stichprobe
k = 3 Studien
n = 592 Pat.
Kernaussage

Cannabinoide erhöhten den Appetit, verschlechterten aber die Lebensqualität und führten zu häufigen Nebenwirkungen.

Zusammenfassung

Systematische Review und Meta-Analyse zu medizinischen Cannabinoiden bei Tumor-Kachexie; Analyse von RCTs zu Appetit, Gewicht und Lebensqualität. Evidenz für moderate Verbesserung von Appetit und Übelkeit, aber limitierter Effekt auf Gewichtszunahme.

A
Größe
Verblindung
Effektstärke Kein Nutzen
Zitate / Jahr
Simon et al. ·2022 ·Journal of Cachexia, Sarcopenia and Muscle
36 mal zitiert

Cannabinoid interventions for improving cachexia outcomes in cancer: a systematic review and meta-analysis

Design
Meta-Analyse
Stichprobe
k = 10 Studien
Kernaussage

Meta-Analyse zeigt keine signifikanten Vorteile von Cannabinoiden für Appetit, Gewichtszunahme und Lebensqualität bei krebsassoziierter Kachexie; moderate Qualitätsbelege deuten sogar auf signifikant schlechtere Lebensqualität hin.

Zusammenfassung

Systematische Review + Meta-Analyse zu Cannabinoiden bei Krebs-Kachexie; k=10 Studien (4 RCTs + 6 NRSIs). Meta-Analyse (sehr niedrige Evidenzqualität): kein signifikanter Appetit-Benefit vs. Kontrolle (SMD=-0.02; 95% CI: -0.51 bis 0.46; p=0.93). Moderate Evidenz: Cannabinoide signifikant schlechter als Kontrolle für Lebensqualität (SMD=-0.25).

A
Größe
Verblindung
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Alderman et al. ·2022 ·Supportive care in cancer
33 mal zitiert

Multinational Association of Supportive Care in Cancer (MASCC) expert opinion/consensus guidance on the use of cannabinoids for gastrointestinal symptoms in patients with cancer.

Design
Systematic Review
Stichprobe
k = 36 Studien
Kernaussage

THC und Nabilon waren wirksamer als Placebo gegen chemotherapieinduzierte Übelkeit und Erbrechen, aber nicht wirksamer als andere Antiemetika; für andere gastrointestinale Symptome unzureichende Evidenz.

Zusammenfassung

MASCC Expert Opinion/Consensus Guidance zu Cannabinoiden bei gastrointestinalen Symptomen (inkl. Anorexie-Kachexie-Syndrom) bei Krebspatienten. Systematische Review identifizierte 36 RCTs (31 zu CINV, 4 zu Anorexie-Kachexie/Geschmacksstörungen). Populationen heterogen, viele Studien von niedriger methodischer Qualität. Für Anorexie-Kachexie: vier RCTs eingeschlossen, Evidenz begrenzt durch methodische Schwächen (unklare Randomisierung, Verblindung, Allocation Concealment).

A
Größe
Verblindung Doppelblind
Effektstärke Kein Nutzen
Zitate / Jahr
Johnson et al. ·2021 ·Nutrition in clinical practice
13 mal zitiert

Cannabinoid use for appetite stimulation and weight gain in cancer care: Does recent evidence support an update of the European Society for Clinical Nutrition and Metabolism clinical guidelines?

Design
Systematic Review
Stichprobe
k = 6 Studien
Kernaussage

Cannabinoide verbessern Appetit, orale Nahrungsaufnahme, Gewicht, Geschmacksfunktion oder appetitbezogene Lebensqualität bei Krebspatienten nicht.

Zusammenfassung

Systematische Review zu Cannabinoiden bei Krebs-assoziierter Kachexie; k=6 RCTs über 20 Jahre. Cannabinoide verbesserten weder Appetit, noch orale Aufnahme, Gewicht, Chemosensorik oder appetit-bezogene Lebensqualität. Limitationen: kleine Stichproben, fehlende Confounder-Adjustierung.

Randomisierte Kontrollierte Studien

Wirksamkeits- und Sicherheitsbelege aus kontrollierten Interventionsstudien.

8
A
Größe
Verblindung Doppelblind
Effektstärke Kein Nutzen
Zitate / Jahr
Jatoi et al. ·2002 ·Journal of Clinical Oncology
360 mal zitiert

Dronabinol Versus Megestrol Acetate Versus Combination Therapy for Cancer-Associated Anorexia: A North Central Cancer Treatment Group Study

Design
RCT (3-arm)
Stichprobe
n = 469 Pat.
Kernaussage

Dronabinol war Megestrolacetat in der Behandlung tumorbedingter Anorexie signifikant unterlegen; die Kombination brachte keinen Zusatznutzen.

Zusammenfassung

n=469 fortgeschrittene Krebs-Patienten mit Kachexie, 3-Arm-RCT: Megestrol-Acetat 800 mg/d vs. Dronabinol 2.5 mg 2×/d vs. Kombination. Megestrol-Acetat zeigte überlegene Appetit-Verbesserung (75% vs. 49%, p=0.0001) und Gewichtszunahme ≥10% (11% vs. 3%, p=0.02) gegenüber Dronabinol. Kombination ohne zusätzlichen Benefit vs. Megestrol-Acetat allein.

B
Größe
Verblindung Offen
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Timpone et al. ·1997 ·AIDS Research and Human Retroviruses
135 mal zitiert

The safety and pharmacokinetics of single-agent and combination therapy with megestrol acetate and dronabinol for the treatment of HIV wasting syndrome. The DATRI 004 Study Group. Division of AIDS Treatment Research Initiative.

Design
RCT (open-label, multicenter)
Stichprobe
n = 52 Pat.
Kernaussage

Megestrolacetat 750 mg (±Dronabinol) bewirkte signifikante Gewichtszunahme, während Dronabinol allein Gewichtsverlust zeigte.

Zusammenfassung

n=52 HIV-Wasting-Patienten, Dronabinol 2.5 mg 2×/d vs. Megestrol 750 mg/d vs. Kombinationen, 12 Wochen; mittlere Gewichtsveränderung Dronabinol-Mono: -2.0 ± 1.3 kg vs. Megestrol 750 mg: +6.5 ± 1.1 kg (p<0.0001); Dronabinol allein unterlegen bei Gewichtszunahme.

B
Größe
Verblindung Doppelblind
Effektstärke Klarer Nutzen
Zitate / Jahr
Haney et al. ·2005 ·Psychopharmacology
123 mal zitiert

Dronabinol and Cannabis in HIV(+) Cannabis smokers: acute effects on caloric intake and mood.

Design
RCT (within-subject, crossover, doppelblind)
Stichprobe
n = 30 Pat.
Kernaussage

Cannabis und Dronabinol steigern die Kalorienaufnahme signifikant bei HIV-Patienten mit Muskelmasseverlust.

Zusammenfassung

n=30 HIV-positive Cannabiskonsumenten (n=15 mit klinisch signifikantem Muskelmasseverlust <90 % BCM/Körpergröße, n=15 ohne), randomisierter Vergleich Dronabinol (10/20/30 mg) vs. inhaliertes Cannabis (1,8/2,8/3,9 % THC) vs. Placebo; bei Probanden mit Wasting signifikante Kalorienaufnahme-Steigerung unter Cannabis (alle 3 Dosierungen) und Dronabinol (10, 20 mg) vs. Placebo (p<0.05); 30 mg Dronabinol schlecht verträglich in einer Teilgruppe; kognitive Effekte gering.

C
Größe
Verblindung Doppelblind
Effektstärke Kein Nutzen
Zitate / Jahr
Strasser et al. ·2006 ·Journal of Clinical Oncology
409 mal zitiert

Comparison of orally administered cannabis extract and delta-9-tetrahydrocannabinol in treating patients with cancer-related anorexia-cachexia syndrome: a multicenter, phase III, randomized, double-blind, placebo-controlled clinical trial from the Cannabis-In-Cachexia-Study-Group.

Design
Multicenter Phase III RCT
Stichprobe
n = 243 Pat.
Kernaussage

Intent-to-treat-Analyse zeigte keine signifikanten Unterschiede zwischen Cannabis-Extrakt, THC und Placebo bezüglich Appetit, Lebensqualität oder cannabinoid-bezogener Toxizität.

Zusammenfassung

Multizentrische Phase-III-RCT (n=243 randomisiert; 164 Completer); Cannabis-Extrakt (CE, 2,5 mg THC + 1 mg CBD) und THC 2,5 mg vs. Placebo oral 2×/Tag über 6 Wochen bei Patienten mit tumorassoziiertem Anorexie-Kachexie-Syndrom (CACS). Intent-to-treat-Analyse: keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen für Appetit (VAS-Ausgangswert 31/100 mm), Lebensqualität (EORTC QLQ-C30-Score 30/100) oder Cannabinoid-bedingte Toxizität. Erhöhten Appetit berichteten 73 % (CE), 58 % (THC) und 69 % (Placebo). Studie vorzeitig durch unabhängiges Daten-Review-Board abgebrochen. CE gut verträglich, jedoch kein therapeutischer Vorteil gegenüber Placebo nachweisbar.

C
Größe
Verblindung
Effektstärke Klarer Nutzen
Zitate / Jahr
Nelson et al. ·1994 ·Journal of Palliative Care
216 mal zitiert

A phase II study of delta-9-tetrahydrocannabinol for appetite stimulation in cancer-associated anorexia.

Design
Phase-II-Studie (einarmig)
Stichprobe
n = 18 Pat.
Kernaussage

THC steigerte den Appetit bei 13 von 18 auswertbaren Krebspatienten mit Anorexie und zeigte eine gute Verträglichkeit.

Zusammenfassung

Phase-II-Studie (n=18 auswertbar) zu THC 2,5 mg t.i.d. bei Kachexie/Anorexie durch fortgeschrittenen Tumor; 13/18 Patienten (72%) mit verbessertem Appetit nach 28 Tagen; gut verträglich bei niedrigen Dosen; weiterer Studienbedarf zur Dosisoptimierung.

C
Größe
Verblindung Doppelblind
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Struwe et al. ·1993 ·Annals of Pharmacotherapy
118 mal zitiert

Effect of dronabinol on nutritional status in HIV infection.

Design
RCT (cross-over)
Stichprobe
n = 12 Pat.
Kernaussage

Dronabinol verbesserte den Körperfettanteil und den Symptom-Distress signifikant, zeigte jedoch nur nicht-signifikante Trends bei Gewicht und Prealbumin.

Zusammenfassung

n=12 HIV-Patienten mit Gewichtsverlust, Dronabinol 5mg 2×täglich vs. Placebo (crossover); Körperfett +1% (p=0.04), Symptombelastung signifikant reduziert (p=0.04); Gewichtszunahme +0.5kg (p=0.13, Trend); hohe Attrition (nur 5/12 completed).

C
Größe
Verblindung Doppelblind
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Bedi et al. ·2010 ·Psychopharmacology
74 mal zitiert

Efficacy and tolerability of high-dose dronabinol maintenance in HIV-positive Cannabis smokers: a controlled laboratory study

Design
RCT (within-subjects, double-blind, placebo-controlled)
Stichprobe
n = 7 Pat.
Kernaussage

Dronabinol erhöhte die Kalorienaufnahme und verbesserte den Schlaf nur initial (Tage 1–8), mit Toleranzentwicklung bei wiederholter Gabe, jedoch anhaltender Stimmungsverbesserung.

Zusammenfassung

n=7 HIV-positive Cannabiskonsumenten; Dronabinol 10 mg QID vs. Placebo in 2×16-tägigen Inpatient-Phasen; Kalorienaufnahme in den ersten 8 Tagen signifikant erhöht, danach selektive Toleranzentwicklung; Stimmungsverbesserung über 16 Tage anhaltend; keine relevanten kognitiven oder psychotropen Nebenwirkungen; Tagesdosis >FDA-Empfehlung nötig bei HIV+-Konsumenten.

D
Größe
Verblindung
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Bar-Sela et al. ·2019 ·Integrative Cancer Therapies
73 mal zitiert

The Effects of Dosage-Controlled Cannabis Capsules on Cancer-Related Cachexia and Anorexia Syndrome in Advanced Cancer Patients: Pilot Study.

Design
Pilot-Interventionsstudie (nicht-randomisiert)
Stichprobe
n = 17 Pat.
Kernaussage

Bei einem Teil der Patienten zeigte sich eine klinisch relevante Gewichtszunahme und verminderter Appetitverlust, jedoch mit erheblichem Studienschwund und ohne Kontrollgruppe.

Zusammenfassung

n=17 Patienten mit fortgeschrittenem Krebsleiden und CACS, dosierungskontrollierte THC/CBD-Kapseln (5–10 mg THC 2×täglich); 3/17 (17,6%) erreichten das primäre Endpunktziel (Gewichtszunahme ≥10%); Appetitverlustsymptome nach Cannabis-Behandlung signifikant gebessert (p=0,05); methodisch limitiert durch fehlende Kontrollgruppe und hohe Drop-out-Rate.

Übersichtsarbeiten

Nicht-systematische Übersichts- und Expertenarbeiten zur Einordnung der Evidenzlage.

1
B
Größe
Verblindung
Effektstärke
Zitate / Jahr
Aoyagi et al. ·2015 ·World Journal of Gastrointestinal Oncology
437 mal zitiert

Cancer cachexia, mechanism and treatment

Design
Narrative Review
Stichprobe
Narrative Review
Kernaussage

Narrative Review über Mechanismen und Behandlungen von Krebskachexie; keine primären Effektmessungen berichtet.

Zusammenfassung

Narrative Übersichtsarbeit zu Mechanismen und Therapie der Tumor-Kachexie; Cannabis-Cannabinoide werden als potentielle appetitstimulierende Therapieoption erwähnt, keine systematische Datenextraktion zu Cannabis-spezifischen Outcomes.

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