Studienlage / Onkologie/Palliativ / Appetitanregung

Appetitanregung

18 kuratierte Studien · 3 Schlüsselstudien · mechoulam.de

Bei HIV/AIDS habe Dronabinol in mehreren Studien den Appetit verbessert, hier liegt die meiste Evidenz vor. Für andere Erkrankungen sei die Datenlage noch begrenzter.

Bewertungsschema

Der Buchstabe bewertet die Qualität einer Studie, unabhängig vom Typ. Jeder Studientyp kann jede Note bekommen: auch ein Review kann B oder C sein, wenn er klein oder schwach ist, und ein RCT kann S sein. Die Note ist eine Synthese aus Studiendesign, Journal-Autorität und klinischer Verbindlichkeit:

S
Höchste Evidenz, große, methodisch erstklassige Studien oder S3-Leitlinien
A
Starke Evidenz, solide, aussagekräftige Studien mit klarem Ergebnis
B
Mittlere Evidenz, kleinere oder methodisch eingeschränkte Studien
C
Schwache Evidenz, vorläufige, indirekte oder widersprüchliche Befunde
D
Geringste Evidenz, explorative Hinweise, Einzelfälle oder Expertenmeinung

Qualitätsprofil je Studie

Links neben jeder Studie steht ein Profil aus vier Merkmalen, es zeigt die Unterschiede innerhalb einer Buchstaben-Klasse.

Größe
Teilnehmerzahl (RCT) bzw. eingeschlossene Studien (Review).
Verblindung
Doppelblind, einfachblind oder offen.
Effektstärke
Klarer Nutzen, gemischt, kein Nutzen oder Schaden.
Zitate / Jahr
Altersbereinigte Zitationshäufigkeit.

Schlüsselstudien

3
  1. 01
    S
    Cannabinoids for Medical Use
    Whiting et al. ·2015 ·JAMA
    Lesen
  2. 02
    S
    S3-Leitline der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin e. V. (DGEM) in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie e. V. (DGHO), der Arbeitsgemeinschaft „Supportive Maßnahmen in der Onkologie, Rehabilitation und Sozialmedizin“ der Deutschen Krebsgesellschaft (ASORS) und der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für klinische Ernährung (AKE)
    Arends et al. ·2015 ·Aktuelle Ernährungsmedizin
    Lesen
  3. 03
    A
    Dronabinol as a treatment for anorexia associated with weight loss in patients with AIDS
    Beal et al. ·1995 ·Journal of Pain and Symptom Management
    Lesen

Leitlinien und Konsensus-Empfehlungen

Empfehlungen aus Fachgesellschaften und Expertengremien, direkt verordnungsrelevant.

1
S
Größe
Verblindung
Effektstärke
Zitate / Jahr
Schlüsselstudie
Arends et al. ·2015 ·Aktuelle Ernährungsmedizin
131 mal zitiert

S3-Leitline der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin e. V. (DGEM) in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie e. V. (DGHO), der Arbeitsgemeinschaft „Supportive Maßnahmen in der Onkologie, Rehabilitation und Sozialmedizin“ der Deutschen Krebsgesellschaft (ASORS) und der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für klinische Ernährung (AKE)

Design
Leitlinie
Stichprobe
Leitlinie
Zusammenfassung

S3-Leitlinie der DGEM/DGHO/ASORS/AKE (Klinische Ernährung in der Onkologie). Empfehlung 23 (Grad C, starker Konsens): Cannabispräparate können zur Appetitverbesserung bei Tumorkachexie und Geschmacksstörungen erwogen werden. Die Evidenz ist uneinheitlich: Ein RCT (n=164, fortgeschrittenes Karzinom) zeigte in zwei Darreichungsformen keinen Effekt auf den Appetit; ein weiterer RCT fand unter 2×2,5 mg THC/Tag bei Anorexie und Geschmacksstörung eine Verbesserung von Geschmack und Appetit bei guter Verträglichkeit (keine vermehrten Nebenwirkungen gegenüber Placebo, bessere Schlafqualität und Entspannung). Gegenüber Gestagenen wirkten Cannabispräparate schwächer appetitsteigernd, führten jedoch seltener zu Impotenz; übrige Nebenwirkungen (Erbrechen, Flüssigkeitsretention, zentralnervöse Symptome) traten gleich häufig auf. Mögliche unerwünschte Wirkungen: zentralnervöse Effekte, Bewusstseinsveränderungen, Angstzustände, in hohen Dosen Halluzinationen; Verordnung nur nach BtMVV.

Systematische Reviews und Meta-Analysen

Synthesen der RCT-Evidenz nach Cochrane- und PRISMA-Standards.

4
S
Größe
Verblindung
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Schlüsselstudie
Whiting et al. ·2015 ·JAMA
2103 mal zitiert

Cannabinoids for Medical Use

Design
Meta-Analyse
Stichprobe
k = 79 Studien
n = 6.462 Pat.
Kernaussage

Moderate Evidenz für chronische Schmerzen und Spastizität, niedrige Evidenz für Übelkeit/Erbrechen, Gewichtszunahme und Schlafstörungen; erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen.

Zusammenfassung

Umfassende SR über 79 RCTs (n=6.462) zu medizinischem Cannabis; für Appetitanregung bei HIV/AIDS wurden Cannabinoide explizit als eine der evaluierten Indikationen genannt. Systematische Bewertung zeigte Verbesserungen in krankheitsspezifischen Symptomen, wobei statistische Signifikanz nicht in allen Trials erreicht wurde. Häufige Nebenwirkungen: Schwindel, Mundtrockenheit, Übelkeit, Fatigue, Somnolenz, Euphorie.

A
Größe
Verblindung
Effektstärke Kein Nutzen
Zitate / Jahr
Simon et al. ·2022 ·Journal of Cachexia, Sarcopenia and Muscle
36 mal zitiert

Cannabinoid interventions for improving cachexia outcomes in cancer: a systematic review and meta-analysis

Design
Meta-Analyse
Stichprobe
k = 10 Studien
Kernaussage

Meta-Analyse zeigt keine signifikanten Vorteile von Cannabinoiden für Appetit, Gewichtszunahme und Lebensqualität bei krebsassoziierter Kachexie; moderate Qualitätsbelege deuten sogar auf signifikant schlechtere Lebensqualität hin.

Zusammenfassung

SR + Meta-Analyse zu Cannabinoiden bei Krebs-Kachexie; k=10 Studien (4 RCTs + 6 NRSIs). Meta-Analyse zeigte KEINEN signifikanten Appetit-Benefit vs. Kontrolle (SMD=-0.02; 95% CI: -0.51, 0.46; p=0.93, sehr niedrige Evidenzqualität). Lebensqualität signifikant schlechter unter Cannabinoiden vs. Kontrolle (SMD=-0.25, moderate Evidenz). Nur Patient-reported NRSIs berichteten subjektive Appetitverbesserung.

A
Größe
Verblindung Doppelblind
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Rosager et al. ·2020 ·Eating and Weight Disorders
25 mal zitiert

Treatment studies with cannabinoids in anorexia nervosa: a systematic review.

Design
Systematic Review
Stichprobe
k = 2 Studien
Kernaussage

Eine hochwertige RCT zeigte einen Gewichtszuwachs von 1 kg über Placebo in 4 Wochen, eine andere RCT mit höherer THC-Dosis zeigte keinen Effekt.

Zusammenfassung

Systematischer Review (PRISMA, PROSPERO CRD42019141293) zu Cannabinoiden bei Anorexia nervosa; k=2 originale RCTs eingeschlossen (Δ9-THC bzw. Dronabinol). Die einzige adäquat gepowerte, biasarme Studie zeigte unter Dronabinol eine zusätzliche Gewichtszunahme von +1 kg über 4 Wochen vs. Placebo; die zweite Studie (hochdosiertes Δ9-THC) ohne Effekt. Evidenzniveau niedrig (Level I, wenige Studien).

A
Größe
Verblindung Doppelblind
Effektstärke Kein Nutzen
Zitate / Jahr
Johnson et al. ·2021 ·Nutrition in clinical practice
13 mal zitiert

Cannabinoid use for appetite stimulation and weight gain in cancer care: Does recent evidence support an update of the European Society for Clinical Nutrition and Metabolism clinical guidelines?

Design
Systematic Review
Stichprobe
k = 6 Studien
Kernaussage

Cannabinoide verbessern Appetit, orale Nahrungsaufnahme, Gewicht, Geschmacksfunktion oder appetitbezogene Lebensqualität bei Krebspatienten nicht.

Zusammenfassung

Systematische Review zu Cannabinoiden bei Krebs-assoziierter Anorexie; k=6 RCTs über 20 Jahre. Cannabinoide zeigten KEINE Verbesserung von Appetit, oraler Nahrungsaufnahme, Gewicht, chemosensorischer Funktion oder appetit-bezogener Lebensqualität. Limitationen: kleine Stichproben, fehlende Confounder-Adjustierung.

Randomisierte Kontrollierte Studien

Wirksamkeits- und Sicherheitsbelege aus kontrollierten Interventionsstudien.

9
A
Größe
Verblindung Doppelblind
Effektstärke Kein Nutzen
Zitate / Jahr
Jatoi et al. ·2002 ·Journal of Clinical Oncology
360 mal zitiert

Dronabinol Versus Megestrol Acetate Versus Combination Therapy for Cancer-Associated Anorexia: A North Central Cancer Treatment Group Study

Design
RCT (3-arm)
Stichprobe
n = 469 Pat.
Kernaussage

Dronabinol war Megestrolacetat in der Behandlung tumorbedingter Anorexie signifikant unterlegen; die Kombination brachte keinen Zusatznutzen.

Zusammenfassung

n=469 Patienten mit fortgeschrittenem Krebs und Anorexie, randomisiert zu Megestrolacetat 800 mg/d vs. Dronabinol 2,5 mg 2×täglich vs. Kombination. Megestrolacetat überlegen gegenüber Dronabinol: Appetitverbesserung 75% vs. 49% (p=0,0001), ≥10% Gewichtszunahme 11% vs. 3% (p=0,02). Kombinationstherapie ohne zusätzlichen Benefit gegenüber Megestrolacetat-Monotherapie.

A
Größe
Verblindung Doppelblind
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Schlüsselstudie
Beal et al. ·1995 ·Journal of Pain and Symptom Management
501 mal zitiert

Dronabinol as a treatment for anorexia associated with weight loss in patients with AIDS

Design
RCT (placebokontrolliert, multizentrisch)
Stichprobe
n = 88 Pat.
Kernaussage

Dronabinol zeigte signifikante Verbesserung des Appetits (38% vs. 8%, p=0,015) und Abnahme der Übelkeit (20% vs. 7%, p=0,05), aber kein statistisch signifikanter Unterschied beim Körpergewicht (stabil vs. -0,4 kg, p=0,14).

Zusammenfassung

RCT mit n=88 AIDS-Patienten (>2,3 kg Gewichtsverlust), Dronabinol 2×2,5 mg/Tag vs. Placebo über 6 Wochen. Dronabinol-Gruppe: Appetitanstieg 38% vs. 8% Placebo (p=0,015), stabiles Gewicht vs. -0,4 kg Placebo (p=0,14), 22% Gewichtszunahme ≥2 kg vs. 10,5% Placebo (p=0,11). Nebenwirkungen mild-moderat (Euphorie, Schwindel), Abbruchrate 8,3% vs. 4,5% Placebo.

B
Größe
Verblindung Offen
Effektstärke Klarer Nutzen
Zitate / Jahr
Beal et al. ·1997 ·Journal of Pain and Symptom Management
205 mal zitiert

Long-term efficacy and safety of dronabinol for acquired immunodeficiency syndrome-associated anorexia

Design
Open-Label Extension (12 Monate)
Stichprobe
n = 94 Pat.
Kernaussage

Dronabinol zeigte konsistente Verbesserung des Appetits über 12 Monate, mit Appetitverbesserungen von 48,6-76,1% bei vorheriger Dronabinol-Behandlung und 48,5-69,9% bei vorheriger Placebo-Behandlung, sowie stabile Körpergewichte über mindestens 7 Monate.

Zusammenfassung

Open-Label-Langzeit-Extension über 12 Monate mit n=94 AIDS-Patienten (mittlere CD4-Zahl 45/mm³), Dronabinol 2×2,5 mg/Tag (90%) oder 1×2,5 mg/Tag (10%). Konsistente Appetitverbesserung: VASH-Anstieg 48,6–76,1% (bei vorheriger Dronabinol-Therapie) bzw. 48,5–69,9% (bei vorherigem Placebo, insbesondere Monate 1–4). Gewichtsstabilität für ≥7 Monate. Nebenwirkungen primär ZNS-bezogen.

B
Größe
Verblindung Doppelblind
Effektstärke Klarer Nutzen
Zitate / Jahr
Turcott et al. ·2018 ·Supportive Care in Cancer
116 mal zitiert

The effect of nabilone on appetite, nutritional status, and quality of life in lung cancer patients: a randomized, double-blind clinical trial

Design
RCT (placebo-kontrolliert)
Stichprobe
n = 47 Pat.
Kernaussage

Nabilone führte nach 8 Wochen zu signifikant erhöhter Kalorienaufnahme (+342 kcal) und Kohlenhydrataufnahme (+64 g) sowie Verbesserungen in mehreren Lebensqualitäts-Dimensionen (Rollenfunktion, emotionale Funktion, soziale Funktion, Schlaflosigkeit) im Vergleich zu Placebo.

Zusammenfassung

n=47 Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC und Anorexie, randomisiert zu Nabilon (0,5 mg/2 Wochen, dann 1,0 mg/6 Wochen) vs. Placebo über 8 Wochen. Nabilon-Gruppe steigerte Kalorienaufnahme um 342 kcal und Kohlenhydrat-Intake um 64 g (p=0,040). Signifikante QoL-Verbesserungen in Rollenfunktion (p=0,030), emotionaler Funktion (p=0,018), sozialer Funktion (p=0,036), Schmerz (p=0,06) und Schlaflosigkeit (p=0,020).

B
Größe
Verblindung Doppelblind
Effektstärke Klarer Nutzen
Zitate / Jahr
Andries et al. ·2013 ·International Journal of Eating Disorders
160 mal zitiert

Dronabinol in severe, enduring anorexia nervosa: a randomized controlled trial.

Design
RCT (randomized, double-blind, placebo-controlled crossover)
Stichprobe
n = 25 Pat.
Kernaussage

Dronabinol führte zu einem signifikanten Gewichtszuwachs von 0,73 kg über Placebo (p < 0,01) ohne schwerwiegende unerwünschte Ereignisse, jedoch ohne signifikante Verbesserung der psychopathologischen Merkmale (EDI-2).

Zusammenfassung

n=24 (doppelblinder Crossover-RCT), Dronabinol 2×2,5 mg/Tag über 4 Wochen bei schwerer, langjähriger Anorexia nervosa: Gewichtszunahme +0,73 kg vs. Placebo (t=2,86, df=22, p<0,01); keine signifikanten psychotropen Nebenwirkungen, gute Verträglichkeit.

B
Größe
Verblindung
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Luckett et al. ·2025 ·Journal of palliative medicine
0 mal zitiert

Benefits and Burdens of Vaporized Botanical Cannabis Flower Bud for Cancer-Related Anorexia: A Qualitative Study of the Experiences of People with Advanced Cancer Enrolled as Inpatients in a Phase I/IIb Clinical Trial and Their Family Carers.

Design
Klinische Studie
Stichprobe
n = 16 Pat.
Kernaussage

Alle Teilnehmer nahmen wahrgenommene Verbesserungen beim Essen wahr, in zwei Fällen durch Übelkeitsreduktion statt Appetitanregung; psychoaktive Effekte wurden gut vertragen, aber vorübergehende Belastungen wie Halsreizung und unangenehme Geschmacks-/Geruchseffekte wurden berichtet.

Zusammenfassung

n=16 (10 Patienten mit fortgeschrittenem Krebs + 6 pflegende Angehörige), vaporisierte Cannabis-Blüten bei Tumor-assoziierter Anorexie; alle Befragten nahmen Verbesserungen beim Essen wahr, wobei dies in zwei Fällen auf Übelkeitsreduktion statt Appetitstimulation zurückgeführt wurde. Psychoaktive Effekte gut toleriert; transiente Belastungen durch Rachenreizung und Geschmack.

B
Größe
Verblindung Doppelblind
Effektstärke Klarer Nutzen
Zitate / Jahr
Haney et al. ·2007 ·JAIDS Journal of Acquired Immune Deficiency Syndromes
182 mal zitiert

Dronabinol and Cannabis in HIV-Positive Cannabis Smokers

Design
RCT (cross-over)
Stichprobe
n = 10 Pat.
Kernaussage

Sowohl Dronabinol als auch Cannabis erhöhten dosisabhängig die tägliche Kalorienaufnahme und das Körpergewicht bei HIV-positiven Personen, waren gut verträglich und zeigten vergleichbare Effekte, mit Verbesserung der Schlafbewertung nur durch höher dosiertes Cannabis.

Zusammenfassung

n=10 HIV-positive Cannabis-Konsumenten, placebo-kontrollierte Cross-over-Studie zu Dronabinol (5/10 mg) und Cannabis (2,0%/3,9% THC) 4×täglich über je 4 Tage. Beide Cannabinoide erhöhten dosisabhängig Kalorienaufnahme und Körpergewicht im Vergleich zu Placebo; beide gut toleriert mit vergleichbarer Wirksamkeit, nur Cannabis (3,9% THC) verbesserte zusätzlich Schlafqualität.

C
Größe
Verblindung
Effektstärke Klarer Nutzen
Zitate / Jahr
Nelson et al. ·1994 ·Journal of Palliative Care
216 mal zitiert

A phase II study of delta-9-tetrahydrocannabinol for appetite stimulation in cancer-associated anorexia.

Design
Phase-II-Studie (einarmig)
Stichprobe
n = 18 Pat.
Kernaussage

THC steigerte den Appetit bei 13 von 18 auswertbaren Krebspatienten mit Anorexie und zeigte eine gute Verträglichkeit.

Zusammenfassung

Phase-II-Studie (n=18 auswertbar) zu THC 2,5 mg t.i.d. bei Tumoranorexie; 13/18 Patienten (72%) berichteten verbesserten Appetit nach 28 Tagen; 4 Patienten Grad-I-Toxizität; keine schwerwiegenden UAW; THC gut verträglich bei dieser Niedrigdosis.

D
Größe
Verblindung
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Bar-Sela et al. ·2019 ·Integrative Cancer Therapies
73 mal zitiert

The Effects of Dosage-Controlled Cannabis Capsules on Cancer-Related Cachexia and Anorexia Syndrome in Advanced Cancer Patients: Pilot Study.

Design
Pilot-Interventionsstudie (nicht-randomisiert)
Stichprobe
n = 17 Pat.
Kernaussage

Bei einem Teil der Patienten zeigte sich eine klinisch relevante Gewichtszunahme und verminderter Appetitverlust, jedoch mit erheblichem Studienschwund und ohne Kontrollgruppe.

Zusammenfassung

n=17 Krebspatienten mit CACS, THC/CBD-Kapseln (5–10 mg THC 2×täglich); Appetitverlustsymptome nach Cannabis-Behandlung signifikant gebessert (p=0,05 per Selbstauskunft); 3/6 Studienabsolventen erzielten Gewichtszunahme ≥10%; Selbstberichtete Appetitverbesserung in Mehrheit der Teilnehmenden dokumentiert.

Real-World-Evidenz und Beobachtungsstudien

Daten aus klinischer Versorgungspraxis, Registern und Pflichterhebungen.

3
C
Größe
Verblindung
Effektstärke Klarer Nutzen
Zitate / Jahr
DeJesus et al. ·2007 ·Journal of the International Association of Physicians in AIDS Care
41 mal zitiert

Use of Dronabinol Improves Appetite and Reverses Weight Loss in HIV/AIDS-Infected Patients

Design
Retrospektive Chart Review
Stichprobe
n = 117 Pat.
Kernaussage

Dronabinol verbesserte signifikant den Appetit (71% → 26% Appetitverlust nach 1 Monat, p<0,001) und ermöglichte Gewichtsstabilisierung oder -zunahme bei 63% der 117 Patienten mit Gewichtsverlust, mit mittlerer Gewichtszunahme von 3,7 lb über 1 Jahr.

Zusammenfassung

Retrospektive Chart-Review über n=117 HIV/AIDS-Patienten mit Gewichtsverlust vor Baseline, Dronabinol 3–12 Monate (1993–2003). 63% der Patienten mit Gewichtsverlust behielten Gewicht oder nahmen zu; mittlere Gewichtszunahme nach 1 Jahr +3,7±10,6 lbs. Appetitverlust reduzierte sich signifikant von 71% (Baseline) auf 26% (Monat 1, p<0,001) und sank weiter. Übelkeit reduzierte sich von 38% (Baseline) mit signifikantem Unterschied ab Monat 6 (p=0,031).

C
Größe
Verblindung
Effektstärke Klarer Nutzen
Zitate / Jahr
Wendelmuth et al. ·2019 ·Der Schmerz
8 mal zitiert

Dronabinol bei geriatrischen Schmerz- und Palliativpatienten

Design
Kohortenstudie
Stichprobe
n = 40 Pat.
Kernaussage

52,5% der Patienten erreichten eine Schmerzlinderung von mehr als 30%, 10% von mehr als 50%; etwa vier Symptome oder Nebenwirkungen aus vorheriger Behandlung wurden positiv beeinflusst.

Zusammenfassung

Retrospektive Daten zu Dronabinol bei geriatrischen Schmerz- und Palliativpatienten; Appetitanregung als relevanter palliativer Outcome bei Kachexie/Anorexie dokumentiert, aber primär Schmerz-fokussiert; geriatrische Population mit Polypharmazie und Multimorbidität.

D
Größe
Verblindung
Effektstärke Klarer Nutzen
Zitate / Jahr
Zutt et al. ·2006 ·Der Hautarzt
24 mal zitiert

Dronabinol zur supportiven Therapie metastasierter maligner Melanome mit Lebermetastasen

Design
Fallserie
Stichprobe
n = 7 Pat.
Kernaussage

Die Mehrheit der Patienten berichtete signifikante Appetitzunahme und Übelkeitsabnahme unter Dronabinol, obwohl die Effekte mit Krankheitsprogression abnahmen.

Zusammenfassung

Fallserie n=7 Patienten mit metastasiertem malignem Melanom und Lebermetastasen; Dronabinol (Marinol) führte bei Mehrheit zu signifikanter Appetitzunahme und Übelkeitsreduktion über mehrere Wochen. Alle Patienten berichteten leichten bis moderaten Schwindel, jedoch ohne Therapieabbruch. Effekte ließen bei Krankheitsprogression nach.

Übersichtsarbeiten

Nicht-systematische Übersichts- und Expertenarbeiten zur Einordnung der Evidenzlage.

1
C
Badowski et al. ·2018

Dronabinol oral solution in the management of anorexia and weight loss in AIDS and cancer.

Design
Stichprobe
Zusammenfassung

Narrative Übersichtsarbeit zur oralen Dronabinol-Lösung (synthetisches THC) bei Anorexie und Gewichtsverlust im Rahmen von HIV/AIDS und Krebs. Dronabinol wirkt zentral auf Appetit- und Brechzentren und steigert den Appetit; es ist in den USA zur Behandlung von Anorexie und Gewichtsverlust bei HIV/AIDS zugelassen, für die krebsbedingte Anorexie/Kachexie besteht keine zugelassene Indikation. Die 2016 zugelassene orale Lösung bietet eine leichter schluckbare Alternative zur Kapsel. Keine gepoolten quantitativen Effektschätzer, rein narrative Zusammenfassung verfügbarer Daten; Evidenzstärke gering.

Laufende & kommende Studien

Laufende Studien befinden sich in der Erprobungsphase und sind kein Beleg für Wirksamkeit oder Sicherheit. Informationen dienen ausschließlich Bildungszwecken.

1
  • NCT04859296 ClinicalTrials.gov AnalgeSiC and appEtite-stimulating Effects of caNnabigerol and THC (ASCENT) Aktiv Phase 1 Start: 2023-02