Studienlage / Risiken & Sicherheit / Krebsrisiko

Krebsrisiko

27 kuratierte Studien · 6 Schlüsselstudien · mechoulam.de

Hinweis: Dieser Bereich bündelt Studien zu möglichen Risiken und Sicherheitsaspekten von Cannabis. Eine hohe Bewertung bedeutet hier: das Risiko ist gut belegt, nicht, dass Cannabis therapeutisch wirkt. So zeigen wir die Evidenz ausgewogen, in beide Richtungen.

Die Datenlage zum Krebsrisiko ist uneinheitlich. Für die meisten Krebsarten, darunter Lungen- sowie Kopf-Hals-Tumoren, fänden Studien keinen klaren Zusammenhang, während für Hodenkrebs und bei starkem Langzeitkonsum einzelne Risikosignale berichtet würden.

Bewertungsschema

Der Buchstabe bewertet die Qualität einer Studie, unabhängig vom Typ. Jeder Studientyp kann jede Note bekommen: auch ein Review kann B oder C sein, wenn er klein oder schwach ist, und ein RCT kann S sein. Die Note ist eine Synthese aus Studiendesign, Journal-Autorität und klinischer Verbindlichkeit:

S
Höchste Evidenz, große, methodisch erstklassige Studien oder S3-Leitlinien
A
Starke Evidenz, solide, aussagekräftige Studien mit klarem Ergebnis
B
Mittlere Evidenz, kleinere oder methodisch eingeschränkte Studien
C
Schwache Evidenz, vorläufige, indirekte oder widersprüchliche Befunde
D
Geringste Evidenz, explorative Hinweise, Einzelfälle oder Expertenmeinung

Qualitätsprofil je Studie

Links neben jeder Studie steht ein Profil aus vier Merkmalen, es zeigt die Unterschiede innerhalb einer Buchstaben-Klasse.

Größe
Teilnehmerzahl (RCT) bzw. eingeschlossene Studien (Review).
Verblindung
Doppelblind, einfachblind oder offen.
Effektstärke
Klarer Nutzen, gemischt, kein Nutzen oder Schaden.
Zitate / Jahr
Altersbereinigte Zitationshäufigkeit.

Zentrale Risiko-Studien

6
  1. 01
    S
    Association Between Cannabis Use and Risk of Cancer: A Systematic Review and Meta-analysis.
    Ghasemiesfe et al. ·2019 ·JAMA network open
    Lesen
  2. 02
    A
    Cannabis exposure and risk of testicular cancer: a systematic review and meta-analysis
    Gurney et al. ·2015 ·BMC Cancer
    Lesen
  3. 03
    A
    Head and neck cancer among Cannabis users: A meta-analysis of matched case–control studies
    de Carvalho et al. ·2015 ·Archives of Oral Biology
    Lesen
  4. 04
    A
    Cannabis smoking and lung cancer risk: Pooled analysis in the International Lung Cancer Consortium
    Zhang et al. ·2015 ·International Journal of Cancer
    Lesen
  5. 05
    A
    Cannabis use and risk of lung cancer: a 40-year cohort study.
    Callaghan et al. ·2013 ·Cancer Causes & Control
    Lesen
  6. 06
    B
    Cancer risk and legalisation of access to cannabis in the USA: overview of the evidence.
    Nargis et al. ·2025 ·The Lancet. Public health
    Lesen

Systematische Reviews und Meta-Analysen

Synthesen der RCT-Evidenz nach Cochrane- und PRISMA-Standards.

9
S
Größe
Verblindung
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Schlüsselstudie
Ghasemiesfe et al. ·2019 ·JAMA network open
153 mal zitiert

Association Between Cannabis Use and Risk of Cancer: A Systematic Review and Meta-analysis.

Design
Meta-Analyse
Stichprobe
k = 25 Studien
n = 2 Pat.
Kernaussage

Schwache Evidenz für eine Assoziation zwischen Cannabiskonsum und Hodenkeimzelltumoren (>10 Jahre Konsum), aber kein klarer Zusammenhang mit Kopf-Hals-, Mund- oder Lungenkrebs gefunden.

Zusammenfassung

Systematische Review und Meta-Analyse zu Cannabis-Nutzung und Krebsrisiko; k=25 Studien (19 Fall-Kontroll-, 5 Kohorten-, 1 Querschnitt-Studie), publiziert 1973–2019. Gepoolte Analyse für 4 Krebsarten (Lungen-, Kopf-Hals-, Orale Plattenepithel-Karzinome, testikuläre Keimzelltumoren); ever use definiert als ≥1 joint-year. Nur 2 Studien mit niedrigem Bias-Risiko; Ergebnisse als Odds Ratios mit 95% CI berichtet.

A
Größe
Verblindung
Effektstärke
Zitate / Jahr
Mehra et al. ·2006 ·Archives of Internal Medicine
171 mal zitiert

The association between Cannabis smoking and lung cancer: a systematic review.

Design
Systematische Review
Stichprobe
k = 19 Studien
Kernaussage

Hinweise auf prämaligne Lungenveränderungen durch Cannabis-Rauchen, aber kein gesicherter Zusammenhang mit Lungenkrebs nach Tabak-Adjustierung.

Zusammenfassung

Systematische Review (k=19 Studien, Archives of Internal Medicine) zu Cannabis-Rauchen und Lungenkrebsrisiko. Biologische Plausibilität belegt: erhöhte Teer-Exposition, alveoläre Makrophagen-Dysfunktion, erhöhter oxidativer Stress, bronchiale Histopathologie vs. Tabakrauchern und Nichtrauchern. Jedoch zeigten Beobachtungsstudien nach Adjustierung für Tabakkonsum KEINE signifikante Assoziation zwischen Cannabis-Rauchen und Lungenkrebsinzidenz. Methodische Limitationen (Selektionsbias, kleine Stichproben, junges Teilnehmeralter mit unzureichender Latenzzeit). Schlussfolgerung: Endgültige Aussagen zum Krebsrisiko nicht möglich; Aufklärung der Patienten über potenzielle Risiken empfohlen.

A
Größe
Verblindung
Effektstärke Klarer Nutzen
Zitate / Jahr
Schlüsselstudie
Gurney et al. ·2015 ·BMC Cancer
142 mal zitiert

Cannabis exposure and risk of testicular cancer: a systematic review and meta-analysis

Design
Meta-Analyse
Stichprobe
k = 3 Studien
Kernaussage

Aktuelle, chronische und häufige Cannabisnutzung ist mit erhöhtem Risiko für testikuläre Keimzelltumoren assoziiert, besonders für Non-Seminome (OR 2,59 für wöchentliche Nutzung).

Zusammenfassung

Systematische Review und Meta-Analyse zu Cannabis-Exposition und Hodenkrebs-Risiko; k=3 Fall-Kontroll-Studien (USA, überwiegend 1990er-Daten). Stärkste Assoziation für Non-Seminome: wöchentlicher Cannabis-Konsum OR=2,59 (95% CI 1,60–4,19) vs. Nie-Konsum; aktuelle, chronische und häufige Nutzung mit Testis-Keimzelltumor-Entwicklung assoziiert. Inkonklusive Evidenz für Seminome.

A
Größe
Verblindung
Effektstärke Kein Nutzen
Zitate / Jahr
Schlüsselstudie
de Carvalho et al. ·2015 ·Archives of Oral Biology
39 mal zitiert

Head and neck cancer among Cannabis users: A meta-analysis of matched case–control studies

Design
Systematische Review + Meta-Analyse (Fall-Kontroll-Studien)
Stichprobe
k = 9 Studien
Kernaussage

Es besteht kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen lebenslangem Cannabiskonsum und dem Auftreten von Kopf-Hals-Karzinomen.

Zusammenfassung

Meta-Analyse aus k=9 Fall-Kontroll-Studien; ~12,6% der Fälle vs. 14,3% der Kontrollen waren Cannabiskonsumenten; kein Zusammenhang zwischen lebenslangem Cannabisgebrauch und Kopf-Hals-Krebsrisiko (OR=1,021; 95% CI 0,912–1,14; p=0,718).

A
Größe
Verblindung
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Huang et al. ·2015 ·Cancer Epidemiology Biomarkers & Prevention
105 mal zitiert

An epidemiologic review of Cannabis and cancer: an update.

Design
Epidemiologische Review mit gepoolten Risikoschätzern
Stichprobe
Kernaussage

Cannabiskonsum erhöht das Hodenkrebs-Risiko konsistent, zeigt jedoch keine klare Assoziation mit Lungen- oder Kopf-Hals-Karzinomen.

Zusammenfassung

Epidemiologische Übersicht über 34 Studien zu Cannabis und Krebsrisiko (k=34): Hodenkrebsrisiko erhöht — gepoolte OR=1,56 (95% CI 1,09-2,23) bei häufigem Konsum, OR=1,50 (95% CI 1,08-2,09) bei ≥10 Jahren Konsum; Lungenkrebsstudien stützen mehrheitlich keinen Zusammenhang; für weitere Krebslokalisationen unzureichende Datenlage.

B
Größe
Verblindung
Effektstärke Schaden
Zitate / Jahr
Baumeister et al. ·2021 ·Journal of thoracic oncology
29 mal zitiert

Cannabis Use, Pulmonary Function, and Lung Cancer Susceptibility: A Mendelian Randomization Study.

Design
Meta-Analyse
Stichprobe
n = 184.765 Pat. (gepoolt)
Kernaussage

Genetische Veranlagung zu lebenslangem Cannabiskonsum war mit erhöhtem Risiko für Plattenepithelkarzinom assoziiert (OR = 1,22, p = 0,003).

Zusammenfassung

Two-Sample Mendelian Randomization zu genetischer Prädisposition für Cannabis-Konsum und Lungenkarzinom-Risiko (Daten: International Cannabis Consortium n=184.765, International Lung Cancer Consortium 29.266 Fälle + 56.450 Kontrollen). Genetische Liability für lifetime Cannabis use assoziiert mit erhöhtem Plattenepithelkarzinom-Risiko (OR=1.22, 95% CI 1.07–1.39, p=0.003, q=0.025). Keine Assoziation für andere Lungenkarzinom-Subtypen; Pleiotropy-Analysen unauffällig.

B
Größe
Verblindung
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Schlüsselstudie
Nargis et al. ·2025 ·The Lancet. Public health
12 mal zitiert

Cancer risk and legalisation of access to cannabis in the USA: overview of the evidence.

Design
Systematic Review
Stichprobe
Systematische Review
Kernaussage

Hinweise auf erhöhtes Krebsrisiko für mehrere Krebstypen (besonders Hodentumoren), aber Evidenz ist suggestiv statt conclusiv.

Zusammenfassung

Umbrella Review zur Krebs-Risiko-Evidenz bei Cannabis-Legalisierung in den USA. Stärkste Assoziation für Non-Seminom-Hodenkrebs; emergierende Evidenz für erhöhtes Risiko bei Lungen-Plattenepithelkarzinom, Kopf-Hals-Tumoren, Oral-, Brust-, Leber-, Zervix-, Larynx-, Pankreas-, Schilddrüsen- und Kinder-Krebs. Gesamtbefund: suggestiv, nicht konklusiv; methodische Limitationen (Confounder-Bias, Misklassifikation) identifiziert.

B
Größe
Verblindung
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Clark et al. ·2021 ·Cannabis and cannabinoid research
10 mal zitiert

Scoping Review and Meta-Analysis Suggests that Cannabis Use May Reduce Cancer Risk in the United States.

Design
Meta-Analyse
Stichprobe
k = 34 Studien
n = 24 Pat.
Kernaussage

Nicht-signifikanter Trend zu reduziertem Krebsrisiko insgesamt (RR=0,90, p>0,06); nach Ausschluss von Selektions- und Performance-Bias signifikant reduziertes Risiko (RR=0,86, p<0,017); Kopf-Hals-Karzinome zeigten signifikante Risikoreduktion (RR=0,83), aber hohe Heterogenität und niedrige Konfidenz in den Ergebnissen.

Zusammenfassung

Scoping Review mit Meta-Analyse zu Cannabis-Gebrauch und Krebs-Risiko in den USA; k=34 Studien (50 Datenpunkte mit Risiko-Ratios). Gesamt-RR=0,90 (p>0,06, nicht signifikant, hohe Heterogenität I²=72,4%). Nach Entfernung von Studien mit hohem Selektions-/Performance-Bias: RR=0,86 (p<0,017, Hedges g=0,66; N=24 Datenpunkte), aber weiterhin hohe Heterogenität (I²=74,9%). Hodentumor: einziger Krebs-Typ mit RR>1 (RR=1,12, p=0,3, nicht signifikant). Kopf-Hals-Karzinome: negative Assoziation (RR=0,83, p<0,05, Hedges g=0,55). Daten konsistent mit negativer Assoziation zwischen Cannabis-Gebrauch und nicht-testikulären Krebsarten, aber niedrige Konfidenz wegen hoher Heterogenität.

C
Größe
Verblindung
Effektstärke
Zitate / Jahr
Huang et al. ·2023 ·Journal of cancer research and clinical oncology
21 mal zitiert

Causal relationship between cannabis use and cancer: a genetically informed perspective.

Design
Meta-Analyse
Stichprobe
Meta-Analyse
Kernaussage

Cannabiskonsum zeigte einen signifikanten, aber sehr kleinen Risikobeitrag für Gebärmutterhalskrebs sowie schwache Hinweise für Kehlkopf- und Brustkrebs; für die übrigen Krebsarten fand sich kein Zusammenhang.

Zusammenfassung

Two-sample Mendelian Randomization zu Cannabis-Gebrauch und 9 Krebsarten (GWAS-Daten, europäische Abstammung). Signifikanter kausaler Zusammenhang für Zervixkarzinom (OR=1.001265, 95% CI 1.000375–1.002155, p=0.0053); suggestive Evidenz für Larynxkarzinom (OR=1.000350, p=0.0336) und Brustkrebs (OR=1.003741, p=0.0467). Keine Assoziation mit Melanom, Kolorektal-, Oral-, Ösophagus-Karzinom oder Gliom.

Real-World-Evidenz und Beobachtungsstudien

Daten aus klinischer Versorgungspraxis, Registern und Pflichterhebungen.

17
A
Größe
Verblindung
Effektstärke Klarer Nutzen
Zitate / Jahr
Liang et al. ·2009 ·Cancer Prevention Research
65 mal zitiert

A population-based case-control study of Cannabis use and head and neck squamous cell carcinoma.

Design
Populationsbasierte Fall-Kontroll-Studie
Stichprobe
n = 981 Pat.
Kernaussage

Moderater Cannabiskonsum war mit einem deutlich reduzierten Risiko für Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinom assoziiert.

Zusammenfassung

Populationsbasierte Fall-Kontroll-Studie (n=434 HNSCC-Fälle, n=547 Kontrollen, Boston MA); 10–20 Jahre Cannabiskonsum vs. Nie-Konsumenten: signifikant reduziertes HNSCC-Risiko (OR=0,38, 95% CI 0,22–0,67); moderater wöchentlicher Konsum ebenfalls assoziiert mit vermindertem Risiko (OR=0,52, 95% CI 0,32–0,85); Trend p<0,001; inverse Assoziation unabhängig von HPV-16-Antikörperstatus.

A
Größe
Verblindung
Effektstärke Klarer Nutzen
Zitate / Jahr
Gillison et al. ·2008 ·JNCI Journal of the National Cancer Institute
1543 mal zitiert

Distinct risk factor profiles for human papillomavirus type 16-positive and human papillomavirus type 16-negative head and neck cancers.

Design
Fall-Kontroll-Studie (krankenhaus-basiert)
Stichprobe
n = 562 Pat.
Kernaussage

Cannabis-Konsum ist ein unabhängiger Risikofaktor für HPV-16-positive, nicht jedoch für HPV-16-negative Kopf-Hals-Karzinome.

Zusammenfassung

Fall-Kontroll-Studie (n=240 HNSCC-Fälle, n=322 Kontrollen): Cannabiskonsum war unabhängig mit HPV-16-positivem Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinom assoziiert — dosisabhängig steigend mit Intensität (Joints/Monat, p(trend)=0,007), Dauer (Jahre, p(trend)=0,01) und kumulativen Joint-Jahren (p(trend)=0,003). Für HPV-16-negative HNSCC kein Zusammenhang mit Cannabiskonsum (OR nicht signifikant). Befunde deuten auf Cannabis-assoziiertes Krebsrisiko spezifisch im HPV-16-positiven HNSCC-Subtyp.

A
Größe
Verblindung
Effektstärke Schaden
Zitate / Jahr
Efird et al. ·2004 ·Journal of Neuro-Oncology
122 mal zitiert

The risk for malignant primary adult-onset glioma in a large, multiethnic, managed-care cohort: cigarette smoking and other lifestyle behaviors.

Design
Prospektive Kohortenstudie
Stichprobe
n = 133.811 Pat.
Kernaussage

Monatlicher Cannabiskonsum war mit einem signifikant erhöhten Risiko für malignes primäres Gliom assoziiert (RR 2,8).

Zusammenfassung

Prospektive Kohortenstudie (n=133.811, Kaiser Permanente, bis 21 Jahre Follow-up); Cannabis-Konsum ≥1x/Monat assoziiert mit 2,8-fachem erhöhten Gliom-Risiko (CI=1,3–6,2), adjustiert für Zigarettenrauchen, Alkohol, Alter, Geschlecht, Ethnie. Kein Dosis-Wirkungs-Zusammenhang nachweisbar. Erhöhtes Risiko unter Frauen für Zigarettenrauchen (p-für-Trend=0,04), bei Männern nicht.

A
Größe
Verblindung
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Sidney et al. ·1997 ·Cancer Causes & Control
150 mal zitiert

Cannabis use and cancer incidence (California, United States).

Design
Retrospektive Kohortenstudie
Stichprobe
n = 64.855 Pat.
Kernaussage

Kein generell erhöhtes Krebsrisiko durch Cannabiskonsum, jedoch Hinweise auf erhöhtes Prostata- und Zervixkarzinomrisiko bei Tabaknikotinabstinenten.

Zusammenfassung

Retrospektive Kohortenstudie (n=64.855, mittleres Follow-up 8,6 Jahre): Cannabiskonsum war insgesamt nicht mit erhöhtem Krebsrisiko assoziiert (RR=0,9 [95% CI 0,7–1,2] Männer; RR=1,0 [0,8–1,1] Frauen). Bei Nichtrauchern war Cannabiskonsum mit erhöhtem Prostatakrebsrisiko assoziiert (RR=3,1 [95% CI 1,0–9,5]) und tendenziell erhöhtem Zervixkarzinomrisiko (RR=1,4 [95% CI 1,0–2,1]). Kein Zusammenhang mit tabakassoziierten oder kolorektalen Karzinomen.

A
Größe
Verblindung
Effektstärke Kein Nutzen
Zitate / Jahr
Schlüsselstudie
Zhang et al. ·2015 ·International Journal of Cancer
159 mal zitiert

Cannabis smoking and lung cancer risk: Pooled analysis in the International Lung Cancer Consortium

Design
Gepoolte Fall-Kontroll-Analyse
Stichprobe
n = 5.144 Pat.
Kernaussage

Es fand sich kein signifikanter Zusammenhang zwischen habituellem Cannabis-Rauchen und Lungenkrebsrisiko, obwohl ein möglicher Effekt bei sehr hohem Konsum nicht ausgeschlossen werden kann.

Zusammenfassung

Gepoolte Analyse k=6 Fall-Kontroll-Studien (International Lung Cancer Consortium), n=2.159 Lungenkrebsfälle + 2.985 Kontrollen; habitueller vs. nie-Konsum OR=0.96 (95% CI: 0.66–1.38); ≥1 Joint/Tag OR=0.88 (95% CI: 0.63–1.24); ≥10 Joint-Jahre OR=0.94 (95% CI: 0.67–1.32). Adenokarzinom OR=1.73 (95% CI: 0.75–4.00). Ergebnis: wenig Evidenz für erhöhtes Lungenkrebsrisiko durch Cannabis-Rauchen; schwache positive Assoziation bei kumulativem Konsum nicht ausgeschlossen.

A
Größe
Verblindung
Effektstärke Kein Nutzen
Zitate / Jahr
Hashibe et al. ·2006 ·Cancer Epidemiology Biomarkers & Prevention
260 mal zitiert

Cannabis use and the risk of lung and upper aerodigestive tract cancers: results of a population-based case-control study.

Design
Bevölkerungsbasierte Fall-Kontroll-Studie
Stichprobe
n = 2.252 Pat.
Kernaussage

Kein signifikanter Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und Lungen- bzw. Aerodigestivtraktkrebsrisiko nach Adjustierung für Confounding.

Zusammenfassung

Fall-Kontroll-Studie (n=1.212 Krebsfälle + n=1.040 Kontrollen) zu Cannabis-Konsum und Lungen-/Aerodigestivtumoren; nach Adjustierung für Zigarettenrauchen kein erhöhtes Risiko: aOR Lungenkrebs ≥60 Joint-Jahre vs. 0 = 0.62 [95%-KI 0.32–1.2]; aOR Mundkrebs = 1.1 [95%-KI 0.56–2.1]. Kein konsistenter Dosis-Wirkungs-Zusammenhang.

A
Größe
Verblindung
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Daling et al. ·2009 ·Cancer
143 mal zitiert

Association of Cannabis use and the incidence of testicular germ cell tumors.

Design
Fall-Kontroll-Studie (populationsbasiert)
Stichprobe
n = 1.348 Pat.
Kernaussage

Aktueller Cannabis-Konsum ist mit einem erhöhten Risiko für Nicht­seminom-TGCT assoziiert, wobei früher Konsum­beginn und hohe Konsum­häufigkeit das Risiko weiter steigern.

Zusammenfassung

Populationsbasierte Fall-Kontroll-Studie (n=369 Hodenkeim­zelltumor-Fälle, n=979 altersgematchte Kontrollen); aktueller Cannabis-Konsum war mit erhöhtem TGCT-Risiko assoziiert (OR=1,7; 95%-KI 1,1–2,5); bei Nicht-Seminom/gemischter Histologie OR=2,3 (95%-KI 1,3–4,0); täglicher/wöchentlicher Konsum OR=3,0; Erstkonsum <18 Jahren OR=2,8.

A
Größe
Verblindung
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Thomas et al. ·2015 ·Urology
44 mal zitiert

Association between cannabis use and the risk of bladder cancer: results from the California Men's Health Study.

Design
Prospektive Kohortenstudie
Stichprobe
n = 84.170 Pat.
Kernaussage

Cannabiskonsum war mit reduzierter Blasenkrebsinzidenz assoziiert, Tabakkonsum hingegen mit erhöhtem Risiko.

Zusammenfassung

Prospektive Kohortenstudie (n=84.170 Männer, 11 Jahre Follow-up): Cannabis-Only-Konsum assoziiert mit 45% Reduktion der Blasenkrebsinzidenz vs. Nicht-Konsumenten (HR=0,55; 95% CI 0,31–1,00). Tabak-Only-Konsum dagegen mit erhöhtem Risiko (HR=1,52; 95% CI 1,12–2,07). 279 (0,3%) Blasentumore insgesamt; p<0,001 für Häufigkeitsvergleich.

A
Größe
Verblindung
Effektstärke Schaden
Zitate / Jahr
Schlüsselstudie
Callaghan et al. ·2013 ·Cancer Causes & Control
188 mal zitiert

Cannabis use and risk of lung cancer: a 40-year cohort study.

Design
Populationsbasierte prospektive Kohortenstudie (40-Jahres-Follow-up)
Stichprobe
n = 49.321 Pat.
Kernaussage

Schwerer Cannabiskonsum war mit einer mehr als zweifachen Risikoerhöhung für Lungenkrebs über 40 Jahre assoziiert.

Zusammenfassung

n=49.321 schwedische Männer (Alter 18–20 J.), 40-Jahres-Follow-up; schwerer Cannabiskonsum (>50 Mal lebenslang, n=831) war signifikant mit mehr als doppeltem Lungenkrebsrisiko assoziiert (HR=2,12; 95% CI 1,08–4,14), auch nach Adjustierung für Tabakkonsum, Alkohol, Atemwegserkrankungen und sozioökonomischen Status.

A
Größe
Verblindung
Effektstärke Kein Nutzen
Zitate / Jahr
Rosenblatt et al. ·2004 ·Cancer Research
130 mal zitiert

Cannabis use and risk of oral squamous cell carcinoma.

Design
Bevölkerungsbasierte Fall-Kontroll-Studie
Stichprobe
n = 1.022 Pat.
Kernaussage

Cannabiskonsum war in dieser bevölkerungsbasierten Studie nicht mit einem erhöhten Risiko für orales Plattenepithelkarzinom assoziiert.

Zusammenfassung

Bevölkerungsbasierte Fall-Kontroll-Studie (n=407 OSCC-Fälle + n=615 Kontrollen), Cannabis-Konsum und Risiko für orales Plattenepithelkarzinom: adjustierte OR=0,9 (95%-KI 0,6–1,3), kein erhöhtes Risiko. Kein Trend bei steigender Nutzungsdauer, -häufigkeit oder Zeit seit Erstkonsum. Kein Subgruppeneffekt (Alter, Rauchen, Alkohol, genetische Polymorphismen).

B
Größe
Verblindung
Effektstärke Schaden
Zitate / Jahr
Aldington et al. ·2008 ·European Respiratory Journal
257 mal zitiert

Cannabis use and risk of lung cancer: a case-control study.

Design
Fall-Kontroll-Studie
Stichprobe
n = 403 Pat.
Kernaussage

Cannabisrauchen erhöht das Lungenkrebsrisiko dosisabhängig signifikant, unabhängig vom Zigarettenrauchen.

Zusammenfassung

Fall-Kontroll-Studie (79 Lungenkrebsfälle, 324 Kontrollen, Alter ≤55 J., Neuseeland): Lungenkrebsrisiko stieg um 8% pro Joint-Jahr Cannabis-Konsum (95% CI 2-15), adjustiert für Zigarettenrauchen; höchstes Tertil Cannabis-Konsum: RR=5,7 (95% CI 1,5-21,6) vs. Nichtkonsumenten.

B
Größe
Verblindung Einfachblind
Effektstärke Gemischt
Zitate / Jahr
Fligiel et al. ·1997 ·CHEST Journal
228 mal zitiert

Tracheobronchial histopathology in habitual smokers of cocaine, Cannabis, and/or tobacco.

Design
Observationelle Kohortenstudie (Bronchoskopie + Biopsie)
Stichprobe
n = 241 Pat.
Kernaussage

Cannabis und Tabak verursachen additive Bronchialschleimhautschäden, während Kokain allein geringere Veränderungen bewirkt, jedoch tabakinduzierte Schäden verstärkt.

Zusammenfassung

Kohortenstudie (n=241) mit Bronchoskopie-Biopsien; Cannabisraucher (n=40) zeigten signifikant mehr histopathologische Schleimhautveränderungen als Nichtraucher in allen 11 Merkmalen (p≤0,02); Cannabiskonsum und Tabakrauchen zeigen additive bronchiale Schleimhautschäden (MTS-Gruppe); Kokain allein verursacht weniger Veränderungen als Cannabis.

B
Größe
Verblindung
Effektstärke Klarer Nutzen
Zitate / Jahr
Holly et al. ·1999 ·American Journal of Epidemiology
184 mal zitiert

Case-control study of non-Hodgkin's lymphoma among women and heterosexual men in the San Francisco Bay Area, California.

Design
Fall-Kontroll-Studie (populationsbasiert)
Stichprobe
n = 3.376 Pat.
Kernaussage

Lebenslanger Cannabiskonsum war mit einem reduzierten Risiko für Non-Hodgkin-Lymphom assoziiert.

Zusammenfassung

Populationsbasierte Fall-Kontroll-Studie (n=1.281 NHL-Fälle, n=2.095 Kontrollen) zu Non-Hodgkin-Lymphom-Risikofaktoren im San Francisco Bay Area 1988–1995; in multivariater Analyse war lebenslanges Cannabis-Konsum mit einem signifikant verringerten NHL-Risiko assoziiert (Richtung: negatives Risiko; OR <1,0 in Endmodell).

B
Größe
Verblindung
Effektstärke Klarer Nutzen
Zitate / Jahr
Lacson et al. ·2012 ·Cancer
120 mal zitiert

Population-based case-control study of recreational drug use and testis cancer risk confirms an association between Cannabis use and nonseminoma risk.

Design
Populationsbasierte Fall-Kontroll-Studie
Stichprobe
n = 455 Pat.
Kernaussage

Cannabiskonsum verdoppelt das Risiko für Nicht-Seminome des Hodens (OR 2,42), während Kokain invers assoziiert ist.

Zusammenfassung

Fall-Kontroll-Studie (163 Hodenkarzinom-Fälle, 292 Kontrollen, Los Angeles County 1986–1991). Jemals Cannabis-Konsum: OR=1.94 (95%-CI 1.02–3.68) für testikuläres Keimzelltumor gesamt; spezifisch Nicht-Seminom/Mischtumoren OR=2.42 (95%-CI 1.08–5.42). Adjustiert für Kryptorchismus, Bildung, Religiosität, Kokain. Kein erhöhtes Gesamtrisiko für Seminom.

B
Größe
Verblindung
Effektstärke Klarer Nutzen
Zitate / Jahr
Trabert et al. ·2011 ·Cancer
94 mal zitiert

Cannabis use and testicular germ cell tumors.

Design
Fall-Kontroll-Studie
Stichprobe
n = 335 Pat.
Kernaussage

Häufiger Cannabiskonsum ist mit einem etwa 2-fach erhöhten TGCT-Risiko assoziiert, bei Nichtseminomen bis zu 3-fach erhöht.

Zusammenfassung

Hospital-basierte Fall-Kontroll-Studie (n=187 Hodentumor-Fälle, n=148 Kontrollen); häufige Cannabisnutzung (täglich oder mehr) vs. Nicht-Nutzer OR=2,2 (95%-CI 1,0–5,1) für Keimzelltumoren gesamt; für Nicht-Seminom: häufige Nutzung OR=3,1 (95%-CI 1,2–8,2); Langzeitnutzung (≥10 Jahre) OR=2,4 (95%-CI 1,0–6,1).

C
Größe
Verblindung
Effektstärke Kein Nutzen
Zitate / Jahr
Aldington et al. ·2008 ·Otolaryngology
63 mal zitiert

Cannabis use and cancer of the head and neck: case-control study.

Design
Fall-Kontroll-Studie
Stichprobe
n = 394 Pat.
Kernaussage

Cannabiskonsum erhöhte das Risiko für Kopf-Hals-Karzinome nicht signifikant (RR=1,6; 95%-KI 0,5–5,2).

Zusammenfassung

Fall-Kontroll-Studie (75 Fälle, 319 Kontrollen, ≤55 Jahre): Höchstes Cannabis-Konsumtertil (>8.3 Joint-Jahre) war nicht signifikant mit erhöhtem Kopf-Hals-Krebs-Risiko assoziiert (RR=1.6, 95% CI 0.5–5.2, nicht signifikant nach Konfoundeadjustierung). Kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und Kopf-Hals-Karzinom; limitierte statistische Power schließt kleinen Langzeiteffekt nicht aus.

C
Größe
Verblindung
Effektstärke Schaden
Zitate / Jahr
Chacko et al. ·2006 ·Urology
70 mal zitiert

Association between Cannabis use and transitional cell carcinoma.

Design
Fall-Kontroll-Studie
Stichprobe
n = 156 Pat.
Kernaussage

Habitueller Cannabiskonsum war signifikant mit dem Auftreten sowie mit Stadium, Grad und Rezidivhäufigkeit des Urothelkarzinoms assoziiert.

Zusammenfassung

n=52 Männer <60 Jahre mit Transitionalzellkarzinom (TCC) vs. n=104 altersgematchte Kontrollen. 88,5% der TCC-Patienten berichteten gewohnheitsmäßigen Cannabiskonsum vs. 69,2% der Kontrollen (P=0.008). Cannabiskonsum korrelierte innerhalb der TCC-Gruppe signifikant mit Tumorstadium, -grad und Rezidivhäufigkeit. Hinweis auf erhöhtes TCC-Risiko durch Cannabis-Rauchen.

Mechanistische und Präklinische Studien

Pharmakologische Grundlagen und tierexperimentelle Befunde zur Wirkmechanismus-Plausibilität.

1
B
Größe
Verblindung Offen
Effektstärke Schaden
Zitate / Jahr
Wu et al. ·1988 ·New England Journal of Medicine
517 mal zitiert

Pulmonary hazards of smoking Cannabis as compared with tobacco.

Design
Experimentelle Vergleichsstudie (kontrolliert)
Stichprobe
Präklinisch - n = 15
Kernaussage

Cannabisrauchen verursacht gegenüber Tabak eine deutlich höhere respiratorische Belastung durch CO und Teer.

Zusammenfassung

n=15 Männer mit langjährigem Cannabis- und Tabakkonsum (≥5 Jahre); Cannabis-Rauchen vs. Tabak: ~5-fach höherer Anstieg des Carboxyhämoglobins im Blut, ~3-fach mehr inhalierter Teer, 1/3 mehr Teer-Retention im Respirationstrakt (p<0.001); Zugvolumen ~2/3 größer, Inhalationstiefe 1/3 größer, Atemanhaltedauer ~4-fach länger (p<0.01) — unabhängig vom THC-Gehalt. Erhöhte respiratorische Schadstoffbelastung (Kohlenmonoxid, Teer); ein direktes Krebsrisiko wird nicht nachgewiesen.